Von François Delamotte zu Lanson: 265 Jahre Champagne-Geschichte in Reims
Die Geschichte des Hauses beginnt 1760, als François Delamotte in Reims eine Champagne-Maison gründet – zu einer Zeit, in der die meisten heutigen Grandes Maisons noch nicht existieren. Bereits 1798 nimmt das Haus sein bis heute prägendes Symbol an: die Malteserkreuz, ein Zeichen für Nicolas-Louis Delamotte, Sohn des Gründers und Mitglied des Hospitaliterordens von Malta. Es ziert seitdem jede Flasche als Croix Lanson. Der Namenswechsel folgt Anfang des 19. Jahrhunderts, als Jean-Baptiste Lanson als enger Vertrauter und Geschäftspartner in das Haus eintritt und ihm schließlich seinen Namen gibt. 1900 wird Lanson als eines der ersten Champagne-Häuser überhaupt mit dem Royal Warrant der britischen Krone ausgezeichnet – ein Zusammenhang, der auch den Namen der Flaggschiff-Cuvée erklärt: Le Black Label, eine Hommage an die Verbindung zum englischen Königshof. In den Kellern des Hauses ruhen Jahrgänge bis zurück ins Jahr 1904.
Gegen den Strom: Kellerprinzipien, die den Lanson-Stil definieren
Was Lanson im Kreise der großen Champagne-Häuser bis heute heraushebt, ist eine konsequente kellerwirtschaftliche Entscheidung: die weitgehende Vermeidung der malolaktischen Gärung. Bei der MLF wird die herbe Äpfelsäure in weichere Milchsäure umgewandelt – das Ergebnis sind cremige, butterige Champagner. Lanson geht den entgegengesetzten Weg: Die Äpfelsäure bleibt erhalten, das Aromabild bleibt klar, die Frische lebendig. Chef de Cave Hervé Dantan, der 2013 zu Lanson wechselte, hält an diesem Grundprinzip fest, arbeitet aber mit einer bewusst dosierten Flexibilität – für die meisten Cuvées liegt der Anteil ohne MLF bei rund 75 %, das Prestige-Einzellage-Cuvée Clos Lanson wird vollständig ohne MLF vinifiziert. Vinifiziert wird teils in Edelstahltanks, teils in Foudres und Barriques. Seit 2013 baut Dantan zudem eine Réserve perpétuelle auf: Aus jeder Assemblage wird ein Anteil separiert und über mehr als 20 Jahrgänge hinweg als Reservewein-Bibliothek weiterentwickelt. Non-Vintage-Champagner reifen bei Lanson mindestens vier Jahre auf der Hefe – deutlich länger als die vorgeschriebenen 15 Monate. Parallel dazu engagiert sich das Haus zunehmend in der nachhaltigen Bewirtschaftung: Im Domaine de la Malmaison in der Vallée de la Marne bewirtschaftet Lanson einen organisch-biodynamisch zertifizierten Rebbestand, aus dem das Green Label bezogen wird.
Straffe Zitruslinie, rote Frucht, langer Abgang – das Sortiment im Überblick
Le Black Label Brut ist das Herzstück des Hauses: eine Cuvée aus rund 50 % Pinot Noir, 35 % Chardonnay und 15 % Meunier, assembliert aus Trauben von rund 100 Gemeinden – darunter historische Lagen wie Verzenay und Dizy – und ergänzt durch Reserveweine aus zehn zurückliegenden Jahrgängen. Im Glas zeigt er rote und schwarze Beeren, Zitrusschale und einen Hauch Honig, getragen von straffer Säure und feiner Kreide-Mineralik im Abgang. Le Rosé Brut folgt demselben Grundprinzip: Pinot Noir dominiert die Assemblage, rote Weine aus Pinot-Noir-Gemeinden wie Bouzy sorgen für Farbe und Frucht – Erdbeere, Himbeere, ein Zug Grapefruit. Die Maloleinsäure-Zurückhaltung gibt auch dem Rosé seine charakteristische Zitrus-Frische. Wer die Cuvées bei 7–9 °C serviert, holt das volle Aromapotenzial heraus; als Aperitif ebenso überzeugend wie zu Austern, Jakobsmuscheln oder leichtem Geflügel.