Vom Condottiere-Schloss zur Qualitätsmarke des Südens
Das Castello Caldora in Ortona, Provinz Chieti, ist mehr als ein Firmensitz — es ist ein Stück abruzzesische Geschichte. Der Bau stammt aus dem 15. Jahrhundert und gehörte einst dem Condottiere Giacomo Caldora, der die Region zwischen 1413 und 1439 militärisch prägte. Die Fantini Group erwarb das Schloss, renovierte es aufwendig und richtete dort ihre Kellerei ein — ein bewusster Akt der Verwurzelung im kulturellen Erbe der Region. Die Gruppe selbst wurde 1994 in Ortona von drei Partnern gegründet: Filippo, Valentino und Camillo, die in der Branche bald als „die drei Träumer" bekannt wurden, weil sie ohne eigene Weinberge und ohne nennenswertes Startkapital eine der prägenden Weinadressen Süditaliens aufbauten. Caldora ist heute die Abruzzo-Marke dieser Gruppe — das Herzstück vor Ort.
Partnerschaft statt Besitz: das Modell hinter den Weinbergen
Caldora Vini arbeitet nach einem konsequent partnerschaftlichen Modell: Statt eigene Flächen zu bewirtschaften, kooperiert die Kellerei mit einem Netzwerk aus rund 700 Winzerfamilien, die zusammen über 1.500 Hektar Weinberge rund um Ortona bestellen. Aus diesem Pool wurden die besten Lagen nach Standort, Klon und Rebenalter ausgewählt — rund 200 Hektar durchlaufen das hauseigene Progetto Qualità, das strikte Anforderungen an Ertragsbeschränkung und Anbaustandards stellt. Entlohnt wird nicht nach Menge, sondern nach Fläche — ein Anreiz, der Qualität vor Quantität setzt.
Die Böden rund um Ortona wechseln zwischen mergelig-tonigen Hügellagen mit Sand- und Kalksteinanteil im Hügelland und alluvialen Kiesböden an der Küste. Das Klima ist mediterran: heiße, trockene Sommer, schneereiche Winter, tagsüber feuchte Adriabrise, nachts kühlende Fallwinde vom Apennin. Diese Temperaturamplitude ist der entscheidende Faktor für Aromenreife bei gleichzeitig frischer Säurestruktur.
Autochthone Rebsorten, klarer regionaler Ausdruck
Das Sortiment von Caldora fußt auf den klassischen Rebsorten der Abruzzen: Montepulciano d'Abruzzo und Cerasuolo für die Rotweine, Trebbiano d'Abruzzo und Pecorino für die Weißweine. Der Trebbiano — wie bei uns im Sortiment — zeigt in dieser Lage Aromen von weißem Pfirsich, Orangenblüte und Zitrusschale mit lebendiger Säure. Der Montepulciano bringt die Handschrift der Region: Sauerkirsche, reife Pflaume, feste aber zugängliche Tannine. Daneben steht der Yume Tre Autoctoni für einen anderen Ansatz — eine Cuvée aus autochthonen Sorten, die zeigt, was die Abruzzen jenseits der klassischen Einzelsorten zu bieten haben. Vinifiziert wird in einer modernen Kellerei in Ortona, die technologisch auf dem aktuellen Stand ist, ohne dabei den regionalen Charakter der Trauben zu überschreiben. Ziel ist die Sprache des Terroirs — nicht die des Ausbaus.