Islays älteste Destillerie am Loch Indaal
1766 sicherte sich der Kaufmann David Simson die Landrechte am Ufer des Loch Indaal, 1779 wird die Destillerie erstmals urkundlich erwähnt – als erste lizenzierte Destillerie auf Islay und zweite in ganz Schottland. Lokale Überlieferungen deuten darauf hin, dass hier schon einige Jahre früher gebrannt wurde, bevor die Lizenz offiziell erteilt war.
1837 übernahmen die Glasgower Brüder William und James Mutter den Betrieb, bauten die Wasserleitung aus, die noch heute Wasser aus dem River Laggan führt, und expandierten in Exportmärkte. Über die folgenden Jahrzehnte wechselte Bowmore mehrfach den Besitzer, bis 1963 Stanley P. Morrison die Kontrolle übernahm und Morrison's Bowmore Distillery, Ltd. gründete. Der japanische Konzern Suntory beteiligte sich ab Ende der 1980er Jahre und übernahm das Unternehmen 1994 vollständig. Seit der Fusion mit Jim Beam 2014 gehört Bowmore zu Beam Suntory – und ist damit Schwesterdestillerie von Laphroaig.
Von Hand gewendet: Bowmores Arbeit an Tenne und Vault
Bowmore zählt zu den wenigen schottischen Destillerien, die noch eigenes Malz auf traditionellen Tennen herstellen. Die Gerste wird von Hand mit hölzernen Malzschaufeln gewendet und über Torf von der Insel getrocknet. Diese Eigenmälzerei deckt jedoch nur einen Teil des Bedarfs – rund 30 bis 40 Prozent –, der Rest wird zugekauft. Das Wasser des River Laggan mit seinen leicht torfigen Untertönen prägt den weiteren Brennvorgang.
Herzstück der Reifung sind die No. 1 Vaults, das älteste Reifelager Schottlands. Ein Teil der Kelleranlage liegt unterhalb des Meeresspiegels, die Wellen des Loch Indaal schlagen direkt gegen die Außenmauer. Die Nähe zum Meer gilt als entscheidend für den maritimen Charakter, den der Whisky während der Lagerung annimmt – so bleiben die Fässer über Jahre in kühler, gleichmäßig feuchter Umgebung.
Ausgewogener Rauch: Stil und Kernsortiment
Bowmore verarbeitet mittel-getorfte Gerste und reift einen erheblichen Teil seines Make in Sherry-Fässern neben Bourbon-Holz – eine Kombination, die den typisch austarierten Stil der Marke ergibt. Rauch erinnert an Strandfeuer, dazu gesellen sich eine salzige Note, Blütenaromen, Getreide, Zitrus und im Hintergrund reife Frucht. Bei längerer Lagerung in Refill-Fässern tritt diese Frucht- und Blütenseite stärker hervor, während der Torf in den Hintergrund rückt.
Der Bowmore 12 Years bildet das Herzstück des Sortiments und zeigt diesen Ausgleich in kompakter Form: Rauch, Zitrusschale und ein Hauch Honig treffen auf eine leicht salzige, maritime Note im Abgang. Passend zu geräuchertem Lachs, reifem Cheddar oder als Absacker am Kaminfeuer – pur bei Zimmertemperatur oder mit einem Tropfen Wasser entfaltet sich das Aromenspiel am deutlichsten.