Von Fuenmayor in die Welt: 150 Jahre Familiengeschichte in der Rioja Alta
Der Name sagt alles: Montecillo — das kleine Hügelchen — verweist auf die sonnigen Hänge bei Fuenmayor, wo Don Celestino Navajas Matute die Bodega um 1870 gründete, nachdem er Weinberge seines Schwiegervaters geerbt hatte. Fuenmayor liegt im Herzen der Rioja Alta, eingebettet zwischen dem Ebro-Fluss und den Felskämmen der Sierra de Cantabria — ein Dorf, das seit dem 19. Jahrhundert wie kaum ein anderes für die Weinkultur der Region steht. Montecillo ist die drittälteste Kellerei der gesamten DOCa Rioja.
Was die Navajas-Familie früh auszeichnete, war der Blick über die Pyrenäen: Alejandro Navajas absolvierte seine Ausbildung in Bordeaux und führte bordeauxsche Kellereitechniken in die Rioja ein. Sein Neffe José Luis Navajas, in Burgund ausgebildet, brachte später die Kühlung während der Gärung in die Region — damals eine Pionierleistung. Da er keine Nachkommen hatte, übergab er das Erbe an die Familie Osborne, die in Spanien durch ihren jahrhundertealten Sherry-Betrieb bekannt ist. Die Osbornes bauten 1975 eine neue Kellerei in Navarrete — nach dem Vorbild der historischen Bodega in Fuenmayor, als Gravitationskeller konzipiert, um Pumpen und Maschineneinsatz auf ein Minimum zu reduzieren.
Alte Rebstöcke, moderne Technik, unveränderte Haltung
Montecillo arbeitet heute mit mehr als 800 Weinbergsparzellen, die sich vor allem über die Rioja Alta verteilen und von langjährigen Partnern unter Vertrag bewirtschaftet werden. Die Zusammenarbeit mit diesen Winzern reicht teils über Jahrzehnte. Moderne Geolokalisierungstechnik unterstützt die Überwachung des Rebgesundheitszustands, ohne den handwerklichen Ansatz zu ersetzen. Im Keller setzt Montecillo auf Ganimede®-Tanks, die eine schonende und selektive Extraktion der Aromastoffe ermöglichen, ergänzt durch kleine Edelstahlbehälter und Flextanks für kleinstmengige Sonderkuvées. Das Herzstück bleibt der Holzfasskeller: Montecillo hält dauerhaft über 20.000 Fässer aus französischer und amerikanischer Eiche im Bestand und erneuert den Bestand fortlaufend. In den unterirdischen Flaschenlagern ruhen Jahrgänge bis zurück ins Jahr 1926 — das Gründungsjahr der DOCa Rioja.
Seit 2018 leitet Mercedes García Rupérez die Kellerei als Chefönologin und Direktorin — eine der ersten Frauen in dieser Rolle in der gesamten Rioja. Ihr Anspruch: die Weine zeitgemäß zu halten, ohne die Herkunft preiszugeben.
Tempranillo, Fassreife, klassische Stufenleiter — und ein Ausflug nach Rueda
Das Sortiment folgt der klassischen Rioja-Hierarchie: Crianza, Reserva und Gran Reserva, jeweils auf Basis von Tempranillo aus sorgfältig selektierten Lagen der Rioja Alta. Die Reifung in Eichenfässern und anschließend in den kühlen Unterkellergewölben prägt den Stil: strukturierte Tannine, Frucht mit Tiefe, ein langer Abgang mit Holzwürze und Tabak. Wer die leichtere Seite der Bodega kennenlernen möchte, greift zum Montecillo Rosé oder zum Verdejo aus der DO Rueda — ein Zeichen dafür, dass Montecillo heute über die Rioja hinausdenkt, ohne seinen Kern zu verlassen.