Vom Ebro-Ufer in die erste Liga der Rioja
Bodegas RODA wurde 1987 von Mario Rotllant und Carmen Daurella gegründet — zwei Katalanen, die in der Rioja etwas Eigenes schaffen wollten. Ihr Nachname-Kürzel „Ro-Da" wurde zum Markenzeichen. Den Standort wählten sie bewusst: das legendäre Barrio de la Estación in Haro, das historische Bahnhofsviertel, das im 19. Jahrhundert als Drehscheibe für den Weinexport nach Bordeaux diente. Unter dem heutigen Weingut liegt noch immer ein 12 Meter tiefer unterirdischer Keller aus dieser Ära. Die Kellerei selbst entstand in mehreren Bauphasen zwischen 1991 und 2001, zuletzt erweitert 2018 mit dem Fokus auf Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Was als ambitioniertes Projekt begann, ist heute eine der gefragtesten Adressen der gesamten Appellation.
Weinberg zuerst — Forschung als Fundament
Roda bewirtschaftet rund 120 Hektar Rebfläche, verteilt auf 17 verschiedene Parzellen in der Rioja Alta und der Rioja Alavesa — von Tälern in Atlantiknähe bis zu Höhenlagen um 650 Meter. Die Böden sind überwiegend Sandstein und Kalk-Lehm, die Reben traditionell als Buschrebenerziehung (en vaso) gepflegt und trocken ohne Bewässerung kultiviert. Erträge von durchschnittlich 30 hl/ha und Handlese durch ein eigenes Pflückteam sind Standard. Viele der Weinberge bestehen aus Reben, die bis zu 100 Jahre alt sind.
Was Roda von Beginn an von anderen Bodegas unterschied: der wissenschaftliche Blick auf die Rebsorte. Im Rahmen eines langjährigen Forschungsprojekts identifizierte das Team um Kellermeister Agustín Santolaya und Weinbergsdirektor Isidro Palacios über 550 Biotypen des Tempranillo aus alten Riojanischen Weinbergen und legte daraus eine Samenbank an. Dieser Ansatz — Qualität beginnt im Weinberg, nicht im Keller — war in der Rioja der späten 1980er keineswegs selbstverständlich. Roda investiert dauerhaft sieben Prozent des Jahresumsatzes in Forschung und Entwicklung, auch um auf den Klimawandel zu reagieren: 2019 erwarb das Weingut Rebland in Cellorigo im kühlen Nordwesten der Appellation.
Vier Weine, vier Charaktere — Tempranillo in seiner ganzen Bandbreite
Alle Rioja-Weine von Roda basieren auf Tempranillo, ergänzt durch Graciano und Garnacha — spontan vergoren in französischen Eichenfässern, parzellenseparat ausgebaut und erst dann zum endgültigen Wein assembliert. SELA kommt von 15 bis 30 Jahre alten Reben und reift zwölf Monate in gebrauchten Barriques: rote Frucht, zugängliche Struktur. RODA Reserva schöpft aus älteren Parzellen mit über 30-jährigen Stöcken auf Kalksteinböden — tiefer, tanninreicher, mit mehr Lagerpotenzial. RODA I destilliert den zweiten Tempranillo-Charakter: dunkle Frucht, straffere Struktur, mehr Frische im Abgang. Und dann ist da noch CIRSION — entstanden aus der Entdeckung, dass einzelne Weinberge Trauben liefern, deren Tannine bereits auf der Beere polymerisieren, also im Weinberg statt erst im Fass. Das Ergebnis: seidiger Grip, weniger Holzausbau nötig, mehr Tiefe. Eine kleine Produktion, die zeigt, wohin Rodas Neugier führt.