1972: Ein Akronym, das eine Region zusammendenkt
Bodegas LAN wurde 1972 in Fuenmayor gegründet — mitten im Herzen der Rioja Alta, wenige Minuten von Logroño entfernt. Der Name ist kein Zufall: LAN steht für die Anfangsbuchstaben der drei Provinzen, die die DOCa Rioja historisch umspannen — Logroño, Álava und Navarra. Dahinter steckt eine Haltung: Rioja ist keine einheitliche Landschaft, sondern ein Mosaik aus Böden, Höhenlagen und Weinbautraditionen. Gegründet von einer Gruppe von Unternehmern aus dem Baskenland, die durch Rioja reisten und von seinen Weinbergen, seiner Küche und seiner Gastlichkeit angezogen wurden, verfolgte LAN von Anfang an einen Ansatz, der Tradition und Neugier nicht als Widerspruch begreift. Seit 2012 gehört die Bodega zur portugiesischen Sogrape-Gruppe, die ihr internationale Reichweite verschafft hat, ohne den Charakter des Hauses zu verändern.
Das Herzstück der Bodega ist Viña Lanciano: 72 Hektar Eigenbesitz, aufgeteilt in 22 einzelne Parzellen, die auf 450 bis 550 Metern Höhe in einer spektakulären Flussschleife des Ebro liegen — genau auf der Grenze zwischen Rioja Alta und Rioja Alavesa. Wer die Lage einmal gesehen hat, versteht, warum die Gründer sie als Kern ihres Projekts betrachteten: Die Sierra Cantabria im Rücken, der Ebro als natürlicher Temperaturgeber, steinige Canto-rodado-Böden mit niedrigen Erträgen und Rebstöcken mit bis zu 60 Jahren Alter.
Nachhaltiger Weinbau und eine eigenwillige Kellerwirtschaft
Im Weinberg verzichtet LAN auf chemische Herbizide, Pestizide und synthetische Dünger. Organisches Material wird in die Böden zurückgeführt, natürliche Begrünung und ökologische Korridore fördern Biodiversität — Vögel, Insekten, Reptilien und Kleinsäuger sind Teil des Ökosystems Weinberg, nicht Störfaktoren. Für LAN ist der Schutz dieser Vielfalt keine Marketingstrategie, sondern Voraussetzung für die Qualität des Traubenguts. Ein Teil des Viña Lanciano — das fünf Hektar große Mantible-Ökoplot — wird vollständig biologisch bewirtschaftet und liefert ausschließlich zertifiziert ökologischen Wein.
Im Keller leitet Kellermeisterin und technische Direktorin María Barúa die Weinbereitung. Ihr Markenzeichen ist ein konsequent differenzierter Umgang mit Holz: Statt alle Weine durch dasselbe Fass zu schicken, setzt LAN auf französische, amerikanische, russische, ungarische und hybride Barriques — letztere mit amerikanischen Dauben und französischen Böden, eine Eigenentwicklung des Hauses. Jeder Wein reift in dem Holz, das seine Herkunft und Struktur am besten abbildet, nicht umgekehrt. Das vollklimatisierte, automatisierte Fasslager ermöglicht dabei präzise Kontrolle über jeden einzelnen Barrique.
Tempranillo als Mittelpunkt — klassisch gereift, zeitgemäß interpretiert
Das Sortiment folgt der klassischen Rioja-Reifehierarchie: Crianza, Reserva und Gran Reserva, dazu Einzellagen- und Premiumweine aus Viña Lanciano. Tempranillo steht im Mittelpunkt, flankiert von den autochthonen Sorten Graciano, Mazuelo und Garnacha. Die Weine zeigen reife, fruchtbetonte Aromen — dunkle Beeren, Kirsche, Gewürze — mit einer durch den langen Fassausbau aufgebauten Struktur, die nie hart wirkt. Der ökologische Crianza aus dem Mantible-Plot fermentiert mit Naturhefen und reift 14 Monate in neuem Französisch-Eiche, was ihm mehr Frische und Präzision verleiht als klassische Rioja-Crianzas auf amerikanischem Holz. Wer die gesamte Bandbreite verstehen will, greift zur Reserva aus Viña Lanciano: Tempranillo, Graciano und Mazuelo, ausgebaut in französischer und ungarischer Eiche — ein Wein, der zeigt, wie viel Tiefe ein einzelner Weinberg hergeben kann, wenn man ihn ernstnimmt.