Von der Rioja nach Galizien: La Rioja Alta gründet Lagar de Fornelos
Die Geschichte von Bodegas Lagar de Fornelos beginnt 1988, als La Rioja Alta S.A. — eine der renommiertesten Kellereien der spanischen Rioja — im äußersten Nordwesten Spaniens eine neue Heimat für großen Weißwein suchte. Nach dem Ende der eigenen Weißweinproduktion in der Rioja erwarb das Haus die kleine Familienkellerei Fernández Cervera Hermanos in O Rosal, nahe der portugiesischen Grenze im Süden Galiziens. Die neue Bodega taufte man nach dem Ort Fornelos und dem jahrhundertealten steinernen Lagar — der traditionellen Traubenpresse —, der noch heute den alten Hausteil der Kellerei dominiert. Als Referenz an die Gründerfamilie blieb deren Name im Flaggschiff-Wein erhalten: Lagar de Cervera.
Was als bescheidenes Projekt mit fünf Hektar Rebfläche begann, wuchs über Jahrzehnte durch beharrliche Zukäufe — in einer Region, in der Minifundismus, also kleinteiligster Grundbesitz, die Regel ist. Heute hält Lagar de Fornelos rund 108 Hektar eigene Weinberge in den Subzonen O Rosal und O Salnés und ist damit eine der größten Einzelgutsanlagen innerhalb der D.O. Rías Baixas.
Atlantischer Boden, optische Selektion, klarer Kellereingriff
Die Weinberge in O Rosal liegen im wärmsten und südlichsten Zipfel der Rías Baixas, geschützt von bewaldeten Hügeln, die den Morgennebel abhalten und eine frühzeitige, gleichmäßige Reife begünstigen. Der Boden in O Rosal enthält — ungewöhnlich für Rías Baixas — Schiefer neben Granit, was den Weinen Volumen und Steinfrucht-Tiefe verleiht. Die Parzellen in Cambados wiederum stehen auf reinem Granit: daraus resultieren Zitrusfrische, Salzigkeit und eine straffe vertikale Struktur. Kellerchefin Olga Verde, seit 2025 verantwortliche Önologin, nutzt das Zusammenspiel beider Lagen gezielt für Balance im Verschnitt.
Im Weinberg setzt man auf manuelle Lese mit Vorauswahl direkt an der Rebe. Im Keller folgte 2021 der nächste Schritt: Lagar de Fornelos wurde zur ersten Bodega Galiziens mit optischer Sortierung, die 100 % der Trauben maschinell auf Qualität prüft. Das 2013 eröffnete Kellergebäude — mit Granit, eingebettetem Bach und einheimischer Bepflanzung in die Landschaft integriert — spiegelt denselben Respekt vor dem Ort wider. Die Vinifikation selbst beschreibt Verde als bewusst zurückhaltend: Ziel ist es, die Reinheit der Albariño-Traube so unverfälscht wie möglich ins Glas zu bringen, mit Gärung im Edelstahltank und anschließendem Feinhefekontakt für Textur.
Zwei Gesichter der Rías Baixas: Lagar de Cervera und Pazo de Seoane
Das Sortiment konzentriert sich auf sortenechte und gebietstypische Weißweine aus den Rebsorten Albariño, Loureiro, Treixadura und Caiño Blanco. Der Lagar de Cervera ist ein reinsortiger Albariño, der Trauben aus O Rosal und O Salnés vereint: Schieferboden bringt Fülle und Steinfrucht, Granit die salzige Frische und Spannung im Abgang. Der Pazo de Seoane ist ein klassischer Rosal-Verschnitt aus rund zwei Dritteln Albariño und einem Drittel weiterer einheimischer Sorten — vielschichtiger, etwas weicher im Mundgefühl. Beide Weine stehen für den atlantischen Charakter der Rías Baixas: lebendige Säure, Meersalz-Mineralität und Aromen von Zitrusschale, weißem Pfirsich und frischen Kräutern. Zur Küche von Galizien — Pulpo, Jakobsmuscheln, gegrillter Wolfsbarsch — passen sie ebenso wie zu asiatischen Fischgerichten oder kräftigem Ziegenkäse.