Argentiniens älteste Bodega — von 1831 bis in die Gegenwart
Bodega Colomé wurde 1831 gegründet und gilt damit als die älteste kontinuierlich betriebene Bodega Argentiniens. Den Grundstein legte der spanische Gouverneur von Salta, Nicolás Severo de Isasmendi y Echalar. Seine Tochter brachte 1854 die ersten vorPhylloxera-Malbec- und Cabernet-Sauvignon-Reben aus Frankreich in die Calchaquí-Täler — Stöcke, die bis heute nicht aufgepfropft im Weinberg stehen und Früchte tragen.
Rund 170 Jahre blieb das Gut in den Händen der Familien Isasmendi und Dávalos, bevor der Schweizer Unternehmer Donald Hess das Weingut 2001 erwarb. Hess, der zuvor bereits die Hess Collection im Napa Valley aufgebaut hatte, war auf der Suche nach einem außergewöhnlichen Terroir durch Chile und Mendoza gereist — ohne das Richtige zu finden. In den Calchaquí-Tälern, auf 2.300 Metern Höhe, wurde er fündig. Er kaufte Colomé und belebte damit nicht nur ein historisches Weingut neu, sondern auch das umliegende Dorf: Schulen, ein Gemeindezentrum und ein Museum für den kalifornischen Lichtkünstler James Turrell entstanden. Heute leiten Larissa und Christoph Ehrbar, die zweite Generation der Familie Hess, das Gut.
Konsequente Nachhaltigkeit auf extremem Terrain
In einem der entlegensten Weinbaugebiete der Welt ist Nachhaltigkeit keine Kommunikationsstrategie, sondern schlichte Notwendigkeit. Bodega Colomé arbeitet ohne chemische Pflanzenschutzmittel, setzt auf biologische Düngemittel und fördert aktiv die Biodiversität im Weinberg. Das Bewässerungswasser stammt ausschließlich aus Schneeschmelze und lokalen Bächen; ein hydroelektrisches System erzeugt Strom auf dem Gelände. Die eigene Bio-Farm und die Obstgärten versorgen das Gutsrestaurant — ein geschlossener Kreislauf, der einen nahezu emissionsfreien Betrieb ermöglicht.
Im Keller trägt seit 2005 der französische Weinmacher Thibaut Delmotte die Verantwortung. Seine Philosophie ist klar: minimale Eingriffe, maximaler Respekt vor dem Rohstoff. Die Kombination aus intensiver Sonneneinstrahlung, kühlen Nächten und dem langen Reifezyklus auf großer Höhe produziert dickschalige Beeren mit natürlicher Konzentration und lebendiger Säure — ideale Voraussetzungen für einen Kellerausbau, der diese Charakteristika herausarbeitet statt überformt.
Malbec und Torrontés aus den Wolken — das Sortiment von Colomé
Die Weinberge von Bodega Colomé erstrecken sich über 151 Hektar zwischen 2.300 und 3.111 Metern Höhe — damit zählen sie zu den höchstgelegenen kommerziellen Lagen der Welt. Das Flaggschiff Altura Máxima kommt vom gleichnamigen Weinberg auf 3.111 Metern. Das Sortiment reicht vom zugänglichen Einstieg über die Amalaya-Linie bis zu den Estate- und Auténtico-Weinen, die von den ältesten, ungepfropften Reben des Guts stammen.
Im Mittelpunkt stehen die Leitrebsorten Argentiniens: Malbec und Torrontés. Der Malbec aus Colomé zeigt, was Höhenlage und langer Vegetationszyklus bewirken — dichte Farbe, Aromen von dunkler Frucht und Gewürz, dazu eine Frische und Säurestruktur, die Weinen aus tiefer gelegenen Lagen fehlt. Der Torrontés wiederum profitiert von den kühlen Nächten: florale Aromen, Zitrusfrische, klare Linie. Wer die Weine von Colomé trinkt, hält im Glas fest, was passiert, wenn fast 200 Jahre Weinbautradition auf eines der extremsten Terroirs der Erde treffen.