Vier Generationen Dão — wie Nuno Cancela de Abreu Boas Quintas gründete
Die Familiengeschichte der Cancela de Abreu im Dão reicht über 130 Jahre zurück, mit Aufzeichnungen, die bis 1884 datieren. Nuno Cancela de Abreu wuchs in dieser Tradition auf, studierte Önologie und entschied sich 1991, das akkumulierte Familienwissen in ein eigenständiges Projekt zu überführen: die Sociedade Agrícola Boas Quintas, gegründet mitten in der anerkannten Weinregion Dão. Als Vertreter der vierten Generation brachte er akademische Ausbildung und landwirtschaftliche Verwurzelung zusammen — eine Kombination, die den Charakter des Hauses bis heute prägt.
In den ersten Jahren arbeitete Boas Quintas noch im kleinen Familienmaßstab. Ab 1998 folgten erste Kritikerlob und Auszeichnungen. Das gab die Grundlage für den entscheidenden Schritt: 2010 weitete Nuno Cancela de Abreu das Projekt aus und integrierte mehrere Quintas — darunter die Quinta da Fonte do Ouro und die Quinta da Giesta im Dão sowie die Herdade de Gâmbia auf der Setúbal Peninsula. Aus einem Familienbetrieb war ein multiregionales Weingut geworden, ohne dass der Gründer das Ruder aus der Hand gegeben hätte. 2016 wurde er von der Fachpresse als „Enólogo do Ano" ausgezeichnet, das Haus erhielt den Titel „Empresa do Ano 2016" der Revista de Vinhos.
Terroir-Respekt als Handwerksgrundlage — Vielfalt statt Nivellierung
Die Philosophie von Boas Quintas lässt sich auf einen Satz verdichten: Jeder Wein soll die Natur und Identität seines Herkunftsortes transportieren. Dieses Bekenntnis zur Diversität ist keine Marketingformel, sondern eine Konsequenz aus der geografischen Realität des Projekts — wer in Dão, auf der Setúbal Peninsula und im Alentejo gleichzeitig arbeitet, muss die Unterschiede ernst nehmen statt sie wegzuvinifizieren. Im Zentrum steht die Arbeit auf Granitböden im Dão: Die Weinberge rund um Mortágua, Heimat der modernen Kellerei auf der Quinta da Giesta, liegen eingebettet zwischen den schützenden Bergketten, die den Reben ein stabiles Klima mit kühlen Nächten sichern. Die Lagen auf bis zu 200 Metern Höhe helfen, Säure und Frische zu bewahren.
Im Weinberg setzt Boas Quintas auf ein Biodiversitätsprogramm — also aktiv geförderte Artenvielfalt zwischen den Rebzeilen. Im Keller gilt das Prinzip der Klarheit: Die Rebsorten sprechen für sich. Für die Rotweine stehen Touriga Nacional, Tinta Roriz, Alfrocheiro und Jaen im Mittelpunkt, für die Weißweine der im Dão heimische Encruzado. Nuno Cancela de Abreu verbindet dabei technische Präzision mit dem Respekt vor dem, was das Terroir vorgibt — kein Formen gegen die Natur des Ortes, sondern mit ihr.
Elegante Rotweine, mineralische Weiße — was den Stil von Boas Quintas ausmacht
Die Weine aus dem Dão-Kern des Portfolios folgen dem stilistischen Leitbild der Region: Frische, helle Frucht, feine Tannine mit Substanz. Die Rotweine — darunter der Encosta da Vinha Dão Tinto sowie die Linie rund um die Quinta da Fonte do Ouro — zeigen die typische Textur des Dão: Kirscharomen, würziger Unterton, ein Abgang mit mineralischer Tiefe. Die Reserva-Weine legen durch Holzausbau an Struktur und Komplexität zu, ohne die Herkunft zu verdecken. Die Weißen, auf Basis von Encruzado, bringen Apfelfrucht, Frische und eine klare mineralische Linie mit — ein Weißwein mit Biss, der zu Fisch, hellem Fleisch und cremigen Saucen passt.
Wer die Rotweine von Boas Quintas kauft, hält Weine in der Hand, deren Stärke in der Präzision liegt: kein Übermaß an Holz oder Konzentration, stattdessen die Eleganz, für die der Dão bekannt ist. Passend dazu: auf 16–18 °C servieren, zu Lamm, Wildgeflügel oder gut gereiftem Schafskäse.