Vom Pilgerhof zur Riesling-Boutique-Winery hoch über Burrweiler
Das Weingut Sankt Annaberg hat eine lange Vorgeschichte: Seit 1998 gehört das Gut der Familie Lergenmüller, die in der Pfalz auf eine Weinbautradition zurückblickt, die bis ins 16. Jahrhundert reicht. Seinen Ursprung hat der Annaberg noch früher — das Anwesen entstand einst als Raststation für Pilger der nahe gelegenen St.-Anna-Kapelle und diente in seiner wechselvollen Geschichte auch als Quartier napoleonischer Offiziere. Diese historische Tiefe prägt den Ort bis heute. Nach dem Studium der Weinwirtschaft in Geisenheim und einem Master in Wine Marketing in Bordeaux übernahm Victoria Lergenmüller 2012 die alleinige Verantwortung für das Gut und formte es konsequent zu einem Boutique-Weingut mit klarer Handschrift um — eigenständig geführt, klar abgegrenzt vom elterlichen Weingut Lergenmüller.
Biologischer Anbau, Spontangärung, Fässer aus Frankreich und Österreich
Das Weingut liegt auf 355 Metern Höhe im Naturschutzgebiet Haardtrand — damit ist es das höchstgelegene Weingut der Pfalz. Der Pfälzerwald schirmt die Lagen vor Unwetter ab und sorgt für ein kühles Kleinklima, das dem Riesling sehr entgegenkommt. Victoria Lergenmüller bewirtschaftet die Weinberge biologisch und arbeitet in Richtung Biodynamik. Die Böden wechseln von sandigem Verwitterungsgestein und Buntsandstein bis hin zu Schiefer — eine geologische Vielfalt, die sich unmittelbar im Aromenprofil der Weine niederschlägt. Im Keller setzt sie auf Spontangärung; ausgebaut wird in Eichenfässern aus Frankreich und Österreich. Seit 2012 vinifiziert sie alle Jahrgänge im eigenen Keller auf dem Annaberg.
Riesling pur — aus Monopollage, Schiefer und Kalk
Das Sortiment konzentriert sich fast ausschließlich auf Riesling — eine bewusste Entscheidung, die Sankt Annaberg von den meisten Pfälzer Betrieben unterscheidet. Herzstück ist die Monopollage Burrweiler Sankt Annaberg, deren Terrassenstruktur und mineralreiche Böden terroirgeprägten Weinen mit kühler Eleganz und salzigem Zug hervorbringen. Hinzu kommen die Lagen Schäwer — die einzige Schieferlage der Pfalz, mit ausgeprägter Mineralität und Lagerfähigkeit — sowie die Kalmit, ein Kalkberg mit eigenem aromatischem Profil. Der Gault-Millau hob ausdrücklich hervor, dass die Unterschiede dieser Lagen in den Weinen klar herausgearbeitet sind. Wer einen Burrweiler Sankt Annaberg im Glas hat, trinkt einen Riesling, der seinen Standort erzählt: mal salzig und kühl, mal mit blumiger Frucht, stets mit der Tiefe, die nur diese Höhenlage an der Südlichen Weinstraße liefert.