Seit 1925: Wie eine Familie die Aglianico-Welt Süditaliens mitgeschrieben hat
Alles begann mit einem schlichten Entschluss: Anselmo Paternoster, Winzer aus Barile, füllte 1925 erstmals Aglianico-Wein in Flaschen ab — nicht für den Eigenverbrauch, sondern für den Verkauf. Was damals wie eine kleine unternehmerische Geste wirkte, legte den Grundstein für eines der bedeutendsten Weingüter Süditaliens. Sein Sohn Giuseppe, genannt Pino, übernahm das Ruder und wurde zum ersten diplomierten Önologen der Region — und zu einem der entscheidenden Köpfe hinter der Gründung der DOC Aglianico del Vulture im Jahr 1971. Mit Fabio Mecca führt heute die vierte Generation das Weingut als Önologe weiter. Seit 2016 ist Paternoster Teil der Tommasi Family Estates, einer norditalienischen Winzerfamilie aus der Valpolicella — eine Partnerschaft, die auf Kontinuität setzt, ohne die Identität des Hauses anzutasten.
Vulkanerde, Parzellen-Denken und historische Tuffkeller
Der Monte Vulture, ein vor rund 130.000 Jahren erloschener Vulkan im Norden der Basilicata, hat die Grundlage für alles geschaffen, was Paternoster ausmacht. Seine erkalteten Lavaströme hinterließen einen porösen, mineralreichen, pyroklastischen Boden, der Wasser speichert und in trockenen Sommern langsam wieder abgibt. Genau dieser dunkle Untergrund verleiht dem Aglianico del Vulture seinen mineralischen Fingerabdruck und seine Lagerfähigkeit. Die rund 20 Hektar Weinberge von Paternoster verteilen sich auf 450 bis 643 Meter Höhe über die historischen Lagen Bariles: Rotondo, Macarico, Pian di Carro und Gelosia — kleine Parzellen, jede mit eigener geologischer Signatur. Vinifiziert wird konsequent parzellenweise, um die Unterschiede zwischen den Lagen im Glas lesbar zu machen. Die Trauben für den Don Anselmo wachsen auf besonders alten Rebstöcken, mit natürlich niedrigen Erträgen zwischen 35 und 40 Doppelzentner pro Hektar. Gelagert und ausgebaut werden die Weine in historischen Tuffkellern, in Barile in den Vulkanfels gegraben — mehr als hundert jahrhundertealte Höhlen, die Temperatur und Feuchtigkeit das ganze Jahr über konstant halten.
Aglianico mit Haltung: Struktur, Tiefe, keine Kompromisse
Paternoster hat sich auf eine einzige Rebsorte konzentriert: Aglianico. Die Jahresproduktion liegt bewusst bei maximal 150.000 Flaschen. Zum Sortiment gehören neben dem Einstiegs-Cuvée Bariliott — aus jüngeren Aglianico-Reben — der Don Anselmo, das Flaggschiff des Hauses, benannt nach dem Gründer und auf ausgewählten alten Parzellen gewachsen. Beide stehen für den unverwechselbaren Stil des Vulture: intensive Frucht, feste Tanninstruktur, dichte Säure und ein langer, mineralischer Abgang. Aglianico del Vulture wird von Kennern oft mit den großen Rotweinen des Nordens verglichen — zu Recht, denn die Kombination aus Vulkanboden, Höhenlage und langer Vegetationsperiode erzeugt Weine mit ernsthaftem Reifepotenzial. Wer Paternoster trinkt, hält ein Stück Basilikata in der Hand: rau, kraftvoll und unverkennbar authentisch.