Vom Traum einer Handvoll Winzer zur Stimme des Albariño
1985 taten sich rund 50 Winzerfamilien in Cambados zusammen, um etwas zu tun, das in Galicien damals noch kaum jemand wagte: Albariño konsequent auf Qualität zu trimmen und nach außen zu tragen. Bodegas Martín Códax entstand als Genossenschaft im Herzen des Val do Salnés, der ältesten und bedeutendsten Teilzone der DO Rías Baixas. Der Name war Programm: Man wählte ihn zu Ehren von Martín Códax, dem bekanntesten galicisch-portugiesischen Troubadour des 13. Jahrhunderts, dessen Cantigas — Liebeslieder über Meer und Küste — bis heute als älteste erhaltene Gedichte dieser Sprache mitsamt Originalmelodien überliefert sind. Sprache, Meer und Erde als Fundament einer Bodega: Das war 1985 kein Marketinggedanke, sondern die ehrliche Haltung von Winzern, die ihre Kultur exportieren wollten, nicht nur ihren Wein. 1988 war Martín Códax Gründungsmitglied der DO Rías Baixas, als die Denomination offiziell anerkannt wurde.
Aus dem Zusammenschluss weniger Dutzend Familien ist heute eine der größten Genossenschaften der Region geworden. Mehr als 500 Winzerfamilien bewirtschaften rund 1.400 einzelne Rebparzellen, deren Erzeugnisse unter dem Dach von Martín Códax in Vilariño, Cambados, vinifiziert werden. In über 50 Länder gehen die Weine heute — ein Vertriebsweg, der maßgeblich dazu beigetragen hat, Albariño weltweit als Referenz unter den atlantischen Weißweinen zu etablieren.
Granit, Atlantik und Genossenschaftsdenken als Methode
Der Val do Salnés liegt direkt an den Rías — den tiefen Meeresarmen, die die galicische Atlantikküste zerschneiden. Das Klima ist maritim-kühl: Jahresniederschläge von rund 1.200 mm, milde Winter, trockene Spätsommer, die der Albariño-Traube Zeit lassen, ihre natürliche Säure zu bewahren und gleichzeitig reif zu werden. Die Böden sind granitreich, arm an organischer Substanz — das gibt den Weinen ihre mineralische Spannung. Die Rebgärten sind traditionell kleinparzelliert und werden in der Region typischen Pergola-Erziehung (horizontal trellis, etwa zwei Meter über dem Boden) geführt: Die erhöhte Laubwand verbessert die Belüftung, reduziert Feuchtedruck und begünstigt gleichmäßige Reife.
Die Lese erfolgt ausschließlich von Hand. Im Keller setzt Martín Códax auf temperaturkontrollierte Vergärung im Edelstahltank — die Methode, die die Bodega in den späten 1980er-Jahren in Galicien mitpioniert hat und die das Aromaprofil des Albariño so klar und frisch hält. Kellermeisterin Katia Álvarez, seit 2005 im Haus, verbindet diesen modernen Ansatz mit tiefem Terroir-Verständnis. Nachhaltigkeit ist dabei kein Zusatz, sondern Betriebsprinzip: Martín Códax ist als Sustainable Winery for Climate Protection (SWfCP) zertifiziert und investiert kontinuierlich in Forschung und Entwicklung, um den ökologischen Fußabdruck der Genossenschaft und ihrer Mitgliedsbetriebe zu senken.
Albariño in mehreren Ausdrucksformen — von frisch bis komplex
Das Herzstück des Sortiments ist und bleibt die Rebsorte Albariño — ausschließlich, konsequent, in unterschiedlichen Interpretationen. Der Einstieg, wie ihn etwa die Marieta und der klassische Martín Códax Albariño zeigen, steht für das frische, aromatische Gesicht der Sorte: Zitrusfrucht, weiße Blüten, lebendige Säure, salziger Abgang — Weine, die genauso gut zu gegrillten Meeresfrüchten, Pulpo a feira oder einem klassischen Bacalhau passen wie zu Austern und feinem Sushi. Wer mehr Tiefe sucht, findet sie in der Lías-Cuvée, die nach der Vergärung sechs bis sieben Monate auf der Vollhefe reift und dabei an Textur und Schmelz gewinnt, ohne die für den Val do Salnés typische Frische zu opfern. Mit dem Organistrum, vergoren und ausgebaut in französischen Eichenholzfässern mittlerer Größe, zeigt die Bodega schließlich, wie Albariño auf Holzkontakt reagiert: voller, würziger, mit mehr Gewicht im Abgang — ein Wein für Gerichte mit Tiefe wie karamellisierte Jakobsmuscheln oder kräftigere Fischgerichte.