Von der Steilsonne La Secas in die dritte Generation: die Familie Pariente
Die Geschichte der Bodegas José Pariente beginnt in den 1960er Jahren, als der Winzer José Pariente auf seinen eigenen Weinbergen rund um La Seca handwerkliche Weißweine aus der einheimischen Rebsorte Verdejo kelterte. Nach seinem Tod verwirklichte seine Tochter Victoria Pariente — von der Familie Mariví genannt — 1998 den lang gehegten Traum einer eigenen Kellerei: als Hommage an den Vater trug sie ihr Projekt dessen Namen. Der Betrieb, heute am Kilometer 2,5 der Carretera de Rueda zwischen den Ortschaften Rueda und La Seca gelegen, wuchs mit Victoria zur festen Adresse innerhalb der D.O. Rueda heran. Inzwischen hat die dritte Generation das Ruder übernommen: Martinas Rolle als Kellermeisterin und Ignacios Verantwortung für Betrieb und Export führen fort, was der Großvater mit einer Handvoll alter Verdejo-Stöcke begann.
2024 weitete die Familie ihre Arbeit mit dem Erwerb von Vilerma in Galiziens Ribeiro-Region aus und bestätigt damit, dass der Pariente-Ansatz weit über die Meseta hinausreicht — ohne den Ursprung in Rueda je aus den Augen zu verlieren.
Weinberg, Keller, Forschung: Handwerk trifft Technologie
Die eigenen Weinberge verteilen sich auf zwei Zonen: in der Provinz Valladolid mit Lagen in Rueda, La Seca, Torrecilla de la Abadesa und Tordesillas sowie in der Provinz Segovia zwischen Codorniz und Nava de la Asunción. Die Höhenlage zwischen 700 und 800 Metern prägt den Rhythmus der Reben: lange, kalte Winter, kurze heiße Sommer, starke Tag-Nacht-Temperaturschwankungen — genau jene Amplitude, die in der Verdejo-Traube Zucker und Säure in Balance hält. Die Böden bestehen überwiegend aus kiesigem Schotter mit wenig organischer Masse und vereinzelten Kalksteinvorkommen an den höchsten Punkten. Alte, buschförmig erzogene Stöcke werden von Hand gelesen; modernere Drahtanlagen ergänzen das Rebflächenmosaik.
Im Keller setzt Bodegas José Pariente auf eine klare Linie: kontinuierliche Forschung und Entwicklung sowohl in der Weinbergarbeit als auch in der Kellereitechnik, ergänzt durch Projekte mit der Universität Navarra zur Selektion eigener Hefen aus dem Betrieb. Das 2008 fertiggestellte Kellereigebäude wird fortlaufend mit moderner Technik — darunter Betoneier für die Weinreifung — ausgestattet. Für die Finca-Weine floss jahrelange Bodenstudie in eine detaillierte Klassifizierung und Zonierung aller Weinberge: Erst daraus entstanden die lagespezifischen Ausbauten Las Fincas, Finca La Medina und Finca Las Comas.
Verdejo als Programm: Frische, Tiefe und Einzellagencharakter
Der Kern des Sortiments sind fünf sortenreine Verdejo-Weine — vom zugänglichen Varietal Verdejo über die Finca-Linie bis zum barriqueausgebauten 25 Años en Barrica — sowie zwei Sauvignon Blancs, darunter der Süßwein Apasionado aus Spätlese-Trauben. Das erklärte Ziel seit Gründungstag: zu zeigen, dass Verdejo nicht nur frisch und aromatisch überzeugt, sondern auch Ausbau und Zeit verträgt. Das Flaggschiff, der José Pariente Verdejo, steht für präzise Frucht, Fenchelwürze und klare Säurestruktur — das Ergebnis des kontinentalen Klimas und schroffer Kiesböden. Die Finca-Weine, darunter Finca Las Comas, gehen tiefer: Einzellagencharakter, der durch sorgfältige Parzellenarbeit erst lesbar gemacht wird. Wer frische, strukturierte Weißweine aus einer der verlässlichsten Familienadressen Spaniens sucht, findet bei Bodegas José Pariente einen Betrieb, der Tradition und technische Konsequenz nicht als Gegensatz begreift.