Von der Champagnerkellerei an die Luxemburger Mosel – 1921 bis heute
Das Haus Bernard-Massard geht auf Jean Bernard zurück, einen erfahrenen Kellermeister mit Wurzeln in der Champagne. Gemeinsam mit seiner Frau Anne Massard gründete er 1921 eine Schaumweinkellerei direkt am Moselufer in Grevenmacher – damals mit Unterstützung luxemburgischer und belgischer Weinliebhaber. Sein Ziel: die Methodik der traditionellen Flaschengärung, die er aus der Champagne kannte, im Großherzogtum zu etablieren. Das Konzept griff schnell; bereits in den 1930er-Jahren produzierte das Haus 150.000 Flaschen jährlich und beschäftigte 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Heute führt die Familie das Unternehmen in der fünften Generation und hat es zum größten familiengeführten Weinproduzenten Luxemburgs ausgebaut – mit einer Jahresproduktion von rund 3,5 Millionen Flaschen.
Zum Gruppenverbund gehören neben dem Stammhaus in Grevenmacher zwei Partnergüter: das Domaine Clos des Rochers, das sich auf rund 20 Hektar über die Gemeinden Grevenmacher, Ahn und Wormeldange erstreckt, sowie das Château de Schengen im Süden der Appellation – ein historisches Anwesen, das Bernard-Massard 1986 übernahm. Gemeinsam bilden die drei Güter eine der stärksten weißweinorientierten Erzeugergruppen entlang der luxemburgischen Mosel.
Traditionelle Flaschengärung, moderner Keller
Der historische Kellereikomplex in Grevenmacher beherbergt Vinifikationsanlage, Reifekeller, Rüttelpulte sowie Degorgier- und Etikettiereinheiten – alles unter einem Dach, direkt am Moselufer. Die Schaumweine entstehen ausschließlich in traditioneller Flaschengärung (méthode traditionnelle), in natürlich temperaturstabilen Kellern. 2018 investierte das Haus umfassend in die Modernisierung von Produktionslinie, Lagerung und Weinbergstechnik, um handwerkliche Sorgfalt mit zeitgemäßer Präzision zu verbinden.
Seit 2020 produziert Bernard-Massard einen ersten Biowein aus ökologisch bewirtschafteten Trauben. Die Partnergüter Clos des Rochers und Château de Schengen bewirtschaften ihre Weinberge bereits ohne Insektizide, Pestizide oder chemische Düngemittel und sind Mitglieder der Vereinigung „Domaine et Tradition".
Crémant, Grand Cru-Stillweine und ein klar lesbares Terroir
Die luxemburgische Mosel zieht sich über 42 Kilometer an der Grenze zu Deutschland entlang. Im nördlichen Teil, wo Grevenmacher liegt, dominieren kalkhaltige Böden – sie geben den Weinen Frische und eine markante Mineralität. Weiter südlich treten lehmige Schichten in den Vordergrund und bringen mehr Körper und Frucht. Dieses Nebeneinander zweier Bodentypen ist die Grundlage für das breite Spektrum des Hauses.
Alle Stillweine tragen die „Marque Nationale", das offizielle Qualitätssiegel des Großherzogtums, und sind als „Grands Premiers Crus" klassifiziert. Das Sortiment umfasst Riesling, Pinot Blanc, Pinot Gris, Auxerrois, Pinot Noir und weitere moseltypische Rebsorten. Riesling steht für Frische und Mineralität, Auxerrois für schmeichelhafte Textur, Pinot Gris für Gewicht und Tiefe. Die Crémants – darunter die seit 1971 produzierte Cuvée de l'Écusson – bauen auf den gleichen Rebsorten auf, mit dem Unterschied der langen Hefelagerung, die ihnen Tiefe und eine feine Briochenote gibt. Das Haus exportiert seine Weine in mehr als 20 Länder auf fünf Kontinenten.