Seit 1870 in Familienhand: die Cassots von Les Caris
Die Geschichte von Château La Coustarelle beginnt 1870, als Paul Cassot sich am Lieu-dit Les Caris bei Prayssac als Landwirt niederließ — rund 20 Kilometer westlich der Stadt Cahors, am rechten Ufer des Lot. Was als einfacher Bauernhof begann, trägt seit 1947 den Namen Coustarelle, den Pauls Enkel Pierre der ersten bepflanzten Rebparzelle entlehnte: coustarelle bedeutet im alten Okzitanisch schlicht „kleiner Hang". Pierre repräsentierte die dritte Generation; 1980 übergab er das Zepter an seinen Sohn Michel und dessen Frau Nadine. Der entscheidende Schritt kam 1992: Michel verließ die lokale Kooperative und begann, seine Weine eigenständig auszubauen und abzufüllen. Seither führt die fünfte Generation das Weingut weiter — Caroline Cassot übernahm ab 2002 die vollständige Verantwortung für Weinberg und Keller, entwickelte neue Cuvées und prägte den Stil des Guts nachhaltig.
53 Hektar auf den dritten Terrassen — Boden und Sorgfalt als Grundlage
Das Weingut bewirtschaftet heute 53 Hektar AOC Cahors, aufgeteilt auf Lagen der sogenannten dritten Terrassen des Lot — südexponierte Hänge mit ausgezeichneter Drainage. Der Boden wechselt zwischen Ton-Kalkstein, Kieselgrus und alluvialen Schichten, was den Rebstöcken ein breites Spektrum an mineralischen Reizen verschafft. Im Weinberg setzt Caroline Cassot auf lutte raisonnée: Jede dritte Rebreihe wird begrünt, um die Bodenbiologie zu fördern und natürliche Feinde von Schädlingen anzusiedeln. Neben dem dominanten Malbec — in Cahors seit Jahrhunderten heimisch, lange bevor die Rebsorte in Argentinien zum Exportschlager wurde — wachsen auf den Parzellen auch Tannat und Merlot. Carolines eigene Initiative: ein kleiner Anteil weißer Rebsorten, vinifiziert als IGP Côtes du Lot, der bei lokalen Weinliebhabern längst Anhänger gefunden hat.
Schwarze Frucht, klare Struktur: was Cahors bei Coustarelle bedeutet
Die Weine von Château La Coustarelle sind konsequent auf Malbec ausgerichtet und zeigen, was die Appellation in ihrer kraftvollsten Form leisten kann. Die Cuvée Caroline bringt die Rebsorte in ihrer direkten, zugänglichen Form ins Glas: dunkle Beerenfrucht — Schwarze Johannisbeere, Brombeere, Blaubeere — gestützt von Kakao- und Gewürztönen aus dem Fassausbau, dazu eine seidene Tanninstruktur und ein runder Abgang. Die Cuvée Prestige verschiebt das Gewicht: 90 % Malbec, ergänzt durch 10 % Tannat, drei bis vier Wochen Maischegärung bei kontrollierter Temperatur im Edelstahltank, anschließend zwölf Monate Reifung auf dem Stahl und weitere zwölf Monate in französischen Eichenfässern mit mittlerem Röstgrad — ein Viertel davon neu, der Rest belegt. Weder filtriert noch geschönt, bevor die Flasche verschlossen wird. Das Ergebnis ist ein tief farbiger, strukturierter Cahors mit Aromen von reifen schwarzen Früchten, einem Hauch Lakritze und integrierten Tanninen. Beide Weine passen zu kräftigen Schmorgerichten, Lammkeule, Wildenten-Confit oder einem reifen Tomme des Pyrénées.