Vom Olivenhain zum Maßstab des uruguayischen Weinbaus
Als Alejandro Bulgheroni um das Jahr 2000 begann, Land im Departamento Maldonado zu erwerben, stand Wein nicht im Mittelpunkt seiner Pläne. 2007 änderte sich das: Sein Frau Bettina bestand darauf, den schönsten Teil des weitläufigen Anwesens — hügelige Granitlandschaft, rund 18 Kilometer vom Atlantik entfernt — für etwas zu nutzen, das die Stille der Gegend bewahrt. Bulgheroni rief den italienischen Önologen Alberto Antonini an, der die Böden analysierte und grünes Licht gab: Die uralten Granitverwitterungsböden Maldonados, entstanden vor rund 2,5 Milliarden Jahren, boten das Potenzial für Weine mit echter Herkunftsprägung. Die ersten 29 Hektar Reben wurden 2007 gepflanzt, und 2016 öffnete das fertige Bodega-Gebäude seine Tore — seither gilt Garzón als Referenzpunkt des modernen uruguayischen Weinbaus.
Schwerkraft, Granit und die erste LEED-Bodega außerhalb Nordamerikas
Das Herzstück des Projekts ist ein nach dem Prinzip der Schwerkraft konstruiertes Kellereigebäude: Die Trauben werden auf der höchsten Ebene angenommen und wandern von Stufe zu Stufe nach unten — ganz ohne Pumpen, die das Lesegut belasten würden. Solar- und Windenergie decken den Strombedarf; das gesamte Gebäude, die Weinberge und der Gastronomiebetrieb tragen gemeinsam die LEED Silver-Zertifizierung — als erste Weinkellerei dieser Art außerhalb Nordamerikas. Die 240 bepflanzten Hektar sind in über 1.300 einzelne Parzellen aufgeteilt, jede mit eigenem Mikroklimaund eigener Bepflanzungsdichte. Mehr als 20 Rebsorten stehen nebeneinander, aufgefächert auf Hanglagen, die einheimische Wälder und Palmen umrahmen. Alberto Antonini, der seit den Anfängen als Beratungsönologe arbeitet, wird dabei vom lokalen Kellermeister Germán Bruzzone ergänzt — einem Winzer in dritter Generation aus der uruguayischen Weinregion Canelones.
Nachhaltigkeit ist bei Garzón keine Marketingformulierung, sondern strukturell verankert: minimaler Maschineneinsatz im Weinberg, Schonung der nativen Vegetation, Energieautarkie durch erneuerbare Quellen. Das gesamte Anwesen — rund 2.200 Hektar — integriert Weinbau, Naturschutz, Gastronomie und Ökotourismus als zusammenhängendes Konzept.
Tannat, Albariño und der Küstencharakter Maldonados
Garzón hat zwei Rebsorten ins Zentrum gerückt, die den atlantischen Charakter der Region besonders deutlich herausarbeiten: Tannat und Albariño. Während der Tannat in seinem europäischen Ursprungsgebiet Madiran für dichte, oft raue Struktur bekannt ist, zeigt er in Maldonado kühlere Frucht und feinere Tannine — ein direktes Abbild des ozeanischen Klimas. Der Albariño findet in Garzón die größte zusammenhängende Anbaufläche dieser Sorte in ganz Amerika und liefert von den Granitböden eine salzige Mineralik, die an nordspanische Rias-Baixas-Vorbilder erinnert, ohne sie zu kopieren. Das Sortiment reicht von den zugänglichen De-Corte-Weinen über die parzellenbetonten Reserva-Abfüllungen bis zum Ikonenwein Balasto. Konkret bei uns im Sortiment: der Albariño Reserva Maldonado, der Sauvignon Blanc de Corte, der Tannat de Corte sowie der Tannat Reserva — Weine, die zeigen, was granithaltiger Atlantikboden aus atlantisch gekühlten Lagen hervorbringt, wenn Winzer und Weinberg konsequent zusammenwirken.