Seit 1542 im Herzen des Cartizze
Die Bisol-Familie ist in Valdobbiadene keine neue Erscheinung — seit 1542 baut sie auf den Steilhängen zwischen Dolomiten und Venedig Glera-Trauben an, heute 15 Generationen in Folge. Schriftliche Quellen aus dem 16. Jahrhundert belegen ihre Präsenz auf dem Hügel, der damals noch „Chartice" hieß und heute als Cartizze die höchste Stufe der Prosecco-Hierarchie markiert. Am Beginn des 20. Jahrhunderts formte Eliseo Bisol aus dem überlieferten Familienbetrieb ein modernes Weingut. Nach dem Ersten Weltkrieg, dessen Frontlinie direkt durch das Valdobbiadene-Tal verlief, war es sein Sohn Desiderio, der das Erbe wieder aufbaute — und in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg auf seinem roten Moto-Guzzi-Motorrad die Hänge von Valdobbiadene und Conegliano abfuhr, auf der Suche nach den besten Parzellen. Heute führen Gianluca Bisol als Präsident und CEO sowie sein Bruder Desiderio als Chefönologe das Weingut in dieser langen Tradition weiter.
Heroischer Weinbau auf UNESCO-Hängen
Rund 20 Weinberge bewirtschaftet Bisol in den anerkanntesten Lagen der Valdobbiadene Prosecco Superiore DOCG — ausnahmslos auf Steilhängen, die als UNESCO-Welterbe klassifiziert sind. Mechanisierung ist dort keine Option: Beschnitt, Bodenbearbeitung und Lese müssen vollständig von Hand erfolgen, auf manchen Parzellen mit bis zu 900 Arbeitsstunden je Hektar und Jahr. Zwischen den Rebzeilen wird Gründüngung eingesetzt, um den Boden zu regenerieren; rebfreie Flächen bleiben bewusst der Biodiversität überlassen. Im Keller, der wie eine natürliche Höhle in den Fels der Hügel gegraben ist und ganzjährig eine konstante Temperatur zwischen 10 und 15 Grad hält, wird ausschließlich Bisol-eigenes Lesegut ausgebaut. Die Philosophie dahinter bringt Gianluca Bisol auf den Punkt: Prosecco soll kein Statussymbol sein, sondern ein nachhaltiges Lebensgefühl.
Das Filetstück des Betriebs liegt auf dem Cartizze-Hügel, einer auf rund 106 Hektar begrenzten Großlage auf bis zu 300 Metern Seehöhe. Der felsige, von Kalkstein und marinem Sandstein geprägte Boden, die gleichmäßige Sonneneinstrahlung und die konstante Belüftung durch Bergwinde verlangsamen die Reife der Glera-Traube — und geben ihr Zeit, eine dichtere Aromatik und eine harmonischere Säure zu entwickeln.
Cuvées mit Adresse: von Jeio bis Cartizze
Bisol differenziert sein Sortiment konsequent nach Herkunft. Die Jeio-Linie — benannt nach dem Spitznamen, den Desidierios Frau ihrem Mann gab — stammt aus Steilhang-Parzellen der Appellation und steht für zugänglichen, fruchtbetonten Prosecco Superiore in Brut und Extra Dry. Crede, das Flaggschiff der Standardlinie, spiegelt die Bodenvielfalt der DOCG wider: kalkhaltige Tonböden, die der Glera eine frische Zitrussäure und florale Noten mitgeben. Molera und Relio gehen als Einzellagen-Abfüllungen noch einen Schritt weiter und übersetzen spezifische Terroirs in die Flasche. Der Gipfel des Sortiments ist der Cartizze — eine Dry-Abfüllung aus den eigenen Parzellen auf dem gleichnamigen Hügel, die beim Prosecco Masters 2025 mit dem Grand-Master-Titel ausgezeichnet wurde. Was alle Weine verbindet: feine Perlage, Frische durch intakte Säure und eine Aromatik, die zwischen weißem Pfirsich, Zitrusschale und Blüten changiert — klar sortentypisch, nie schwer.