Von der Ruine zur Wiedergeburt: Benromach und die Familie Urquhart
Benromach wurde 1898 von Duncan McCallum und F. W. Brickman in Forres gegründet, einer Kleinstadt im nördlichen Speyside nahe der Morayküste. Die frühen Jahrzehnte verliefen alles andere als reibungslos: Finanzkrisen, Weltkriege und wechselnde Eigentümer ließen die Destillerie immer wieder verstummen. 1983 zog schließlich DCL — später Teil von Diageo — einen endgültigen Schlussstrich. Die Anlage stand elf Jahre leer, wurde ausgeschlachtet und dem Verfall überlassen.
1993 erwarb Gordon & MacPhail die verwitterten Überreste. Das Familienunternehmen aus Elgin, seit 1895 als unabhängiger Abfüller tätig und tief in der Speyside verwurzelt, sah in der Ruine kein Risiko, sondern eine Aufgabe. Fünf Jahre dauerte die Restaurierung: neue Kupferbrennblasen, Washbacks aus schottischer und europäischer Lärche, eine gesicherte Wasserversorgung aus den Romach Hills. Am 15. Oktober 1998 — genau hundert Jahre nach der Gründung — eröffnete HRH Prinz Charles die Destillerie offiziell wieder. Es war der erste eigene Brennereibetrieb in der Geschichte von Gordon & MacPhail.
Handwerk statt Automatisierung: wie Benromach Whisky macht
Benromach gilt als eine der kleinsten Destillerien Speysides. Zwei Kupferbrennblasen — ein Wash Still mit 7.500 Litern, ein Spirit Still mit 5.000 Litern — bilden das Herzstück einer Produktion, die bewusst auf manuellen Betrieb ausgelegt wurde. Die Destillateure geben Hefe per Hand in die Holz-Washbacks, der Wash Still wird manuell abgeklärt, der Schnitt im Spirit Still nach Erfahrung und Sensorik gesetzt. Abgefüllte Fässer werden von Hand gewogen, gestempelt und in traditionellen Dunnage-Lagerhäusern eingelagert.
Wasser bezieht die Destillerie aus den Chapelton Springs in den Romach Hills. Das verwendete Malz trägt einen leichten Rauchanteil — ein bewusster Rückgriff auf den Speyside-Stil vor den 1960er-Jahren, als Torf noch selbstverständlicher Bestandteil des Trocknungsprozesses war. 10–15 ppm Phenolgehalt im Malz geben den Benromach-Destillaten ihre charakteristische Rauchnote, ohne den fruchtigen Grundcharakter zu überdecken.
Kernrange, Contrasts und Peat Smoke: was dich im Glas erwartet
Das Flaggschiff Benromach 10 Years Old (43 % vol.) zeigt, wofür die Destillerie steht: ein mittelschwerer Speyside-Malt mit Aromen von roten Früchten, Vanille und einem feinen Rauchteppich im Abgang, der die Frucht nicht verdrängt, sondern rahmt. Empfehlung: pur bei Raumtemperatur oder mit einem Tropfen Wasser, dazu gereifter Cheddar oder geräucherter Lachs.
Die Contrasts-Linie — darunter die Contrasts Organic (46 % vol.) — dokumentiert die experimentelle Seite der Destillerie. Die Organic-Abfüllung verwendet ausschließlich biodynamisch angebaute Gerste und wurde als einer der ersten biologisch zertifizierten schottischen Single Malts von der Soil Association anerkannt. Der Peat Smoke (46 % vol.) dreht den Rauchregler deutlich auf: hier dominieren Torf und Heidekraut, die Frucht tritt zurück. Klassisch pur, auf einem großen Eiswürfel oder als Basis eines smoky Old Fashioned.