Vom Traum des Vito Curatolo Arini zur fünften Generation
Seit 1875 steht der Name Curatolo Arini für Marsala aus Familienhand. Vito Curatolo Arini baute damals mitten in seinen eigenen Weinbergen bei Marsala eine Kellerei auf. Der Firmenname entstand aus der Verbindung seines Nachnamens mit dem seiner Mutter, Arini. Von Beginn an lag sein Blick auf Qualität und auf den Märkten jenseits Siziliens: Das Haus zählte zu den ersten Erzeugern der Insel, die Marsala in die USA und nach Südamerika exportierten. Für die Etiketten engagierte Vito den Palermitaner Architekten Ernesto Basile, den bedeutendsten Vertreter des sizilianischen Jugendstils – das als „La Damina“ bekannte Motiv ziert bis heute die besten Marsala-Abfüllungen des Hauses.
Nach Vitos Tod 1896 übernahm seine Frau Rosa die Leitung und führte den Betrieb in einer von Männern dominierten Zeit mit Beharrlichkeit weiter, organisierte die Arbeitsabläufe und baute die Auslandsgeschäfte weiter aus. Heute, fünf Generationen später, lenken die Nachkommen Riccardo und Alexandra gemeinsam mit ihren Vätern Roberto und Sergio die Geschicke des Hauses – als älteste noch von der Gründerfamilie geführte Marsala-Kellerei überhaupt.
Der Baglio am Stagnone: Arbeit zwischen Salz, Sonne und Wind
Das Herzstück des Betriebs ist der historische Baglio, dessen Tuffsteinmauern vom Salz des Stagnone-Naturschutzgebiets umspült und von sizilianischer Sonne durchflutet werden. Die Rebflächen liegen in den Küstenlagen Triglia Scaletta, Spagnola, Biesina und Baiata im äußersten Westen der Insel: Sonne, beständiger Wind und rote, lehmig-sandige Böden schaffen dort ideale Bedingungen für die einheimischen Rebsorten. Ein Teil der Anlagen wird bis heute in der traditionellen, ertragsarmen Alberello-Erziehung bewirtschaftet, der Rest in Spalierform. Geerntet wird von Hand, meist Ende September, wenn die Trauben ihre höchste Zuckerkonzentration erreicht haben.
In den 1990er-Jahren holte die Familie den toskanischen Önologen Alberto Antonini ins Haus und entwickelte gemeinsam mit ihm das „Monovarietal“-Projekt – eine Selektion sortenreiner Weine, die die unterschiedlichen Terroirs der Insel herausarbeiten sollen. Bereits Ende der 1970er-Jahre hatte der Betrieb sein Sortiment über den klassischen Marsala hinaus um trockene Stillweine erweitert und bewirtschaftet heute rund 140 Hektar Rebfläche im Westen und in Zentralsizilien.
Marsala als Handwerk: Grillo, Eichenfass und lange Reifezeit
Im Zentrum des Sortiments steht nach wie vor der Marsala, vinifiziert überwiegend aus Grillo, ergänzt um Catarratto und Inzolia. Nach der Gärung wird der Grundwein aufgespritet und reift anschließend in slawonischen Eichenfässern sowie in französischen und amerikanischen Barriques und Tonneaux – ein Verfahren, das dem Wein seine dichten Aromen von Trockenfrüchten, gerösteten Mandeln und Vanille verleiht, getragen von einem langen, oft leicht salzigen Abgang. Daneben zeigt das Haus mit Weinen aus Nero d'Avola, Syrah, Grillo, Inzolia, Catarratto, Zibibbo und Nerello die ganze Bandbreite autochthoner sizilianischer Sorten.
Wer die Marsala-Weine aus Marsala verkostet, erlebt damit ein Stück lebendiger Weinbaugeschichte: einerseits das klassische, dichte Profil der gereiften Riserven, andererseits die trockenere, würzigere Stilistik der jüngeren Marsala-Abfüllungen, die sich ebenso als Aperitif wie in der Küche einsetzen lassen. Empfehlenswert zu reifem Käse, gebratenen Nüssen oder als Begleiter klassischer sizilianischer Gerichte.