Vom Armagnac-Land zur treibenden Kraft des Sud Ouest
Mitte der 1970er Jahre war das Weinland der Gascogne weitgehend auf Armagnac-Produktion reduziert – Tafelwein galt kaum als lohnendes Ziel. André Dubosc, Winzer aus einer seit drei Generationen im Gers verwurzelten Familie, sah das anders. Gemeinsam mit einem Team junger Winzer begann er, trockene Weißweine zu keltern, die Appellation Saint Mont aus dem Dornröschenschlaf zu wecken und den Pacherenc du Vic-Bilh mit Spätlesetrauben neu zu beleben. 1979 schlossen sich die Kooperativen von Plaisance, Aignan und Saint-Mont zusammen – aus den Anfangsbuchstaben entstand der Name Plaimont. Später kamen weitere Kooperativen hinzu, darunter Crouseilles und Condom. Heute vereint Plaimont rund 600 Winzerfamilien auf gut 5.300 Hektar Rebfläche und verantwortet dabei 98 % der gesamten AOC-Saint-Mont-Produktion.
Handwerk, Forschung und Bewahrung eines Erbes
Plaimont versteht sich nicht als reiner Weinproduzent, sondern als Hüterin eines lebendigen Kulturerbes. 2002 gründete die Kooperative in Saint-Mont das erste private ampelographische Konservatorium Frankreichs – eine Forschungseinrichtung, die seltene autochthone Rebsorten vor dem Verschwinden bewahrt und für künftige Generationen dokumentiert. Dazu gehören vorwurzelläuse-befallene Urrebreben von über 200 Jahren, die als Historisches Denkmal klassifiziert sind. Im Weinberg setzt Plaimont auf nachhaltige Bewirtschaftung: CSR-Initiativen, HVE3-Zertifizierung und Öko-Landbau auf Teilen der Fläche, Reduzierung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes durch Prognosemodelle, Handernte und unmittelbare Verarbeitung der Trauben zur Sicherung der Fruchtfrische. Alte Lagen werden parzellengenau bearbeitet, Rebsorten nach Boden und Mikroklima gesetzt. Im Keller stehen klimatisierte Eichenholz-Reifeanlagen neben einem experimentellen Weinlabor, das neue Vinifikationswege für die Herausforderungen des Klimawandels erprobt.
Gasconische Charakterweine zwischen Pyrenäen und Atlantik
Die Weinberge von Plaimont liegen in einem der klimatisch interessantesten Winkel Frankreichs: rund 80 Kilometer von den Pyrenäen entfernt, etwa gleich weit vom Atlantik, mit Böden aus Molasse, Sand und Lehm. Die Weine bilden diesen Zwischenraum ab – frisch und aromatisch wie das ozeanische Klima, dabei mit der Struktur und dem Gewicht, das die sonnigen Sommer der Gascogne mitgeben. Für die Weißweine stehen die regionalen Sorten Colombard, Gros Manseng und Arrufiac im Mittelpunkt: lebhafte Säure, Aromen von Zitrus, weißem Pfirsich und exotischen Früchten. Die Rotweine der Appellation Saint Mont und Madiran setzen auf Tannat, Cabernet Franc und die nahezu vergessene Sorte Pinenc – mit dunkler Frucht, festem Gerüst und Tiefgang. Das Sortiment reicht von den zugänglichen Terres- und Fleur-d'Artagnan-Linien bis zu den Château-Cuvées des Plaimont-Terroirs-&-Châteaux-Labels, die aus den historischen Gütern rund um Saint-Mont stammen.