Vom Kolonialhaus in Caracas zur venezolanischen Rumlegende
1938 gründeten Alejandro Hernández und Luis Toro ihre Destillerie in einem Kolonialhaus in Caracas. Hernández, Sohn eines Fischers von der Isla de Margarita, und sein Partner erkannten das Potenzial der Region: Die Kombination aus karibischem Küstenklima, tropischer Hitze und den Llanos — den weiten Ebenen Venezuelas — schuf ideale Bedingungen für die Reifung von Rum. Ihr Ansatz war damals neu: Zuckerrohrmelasse, sorgfältige Destillation und erstmals eine systematische Fasslagerung, die sie zu Pionieren machten. Pampero war der erste Rum, dem die venezolanische Regierung die offizielle Bezeichnung „Añejo" verlieh — ein Standard, den der Staat später für die gesamte nationale Rumindustrie übernahm.
1991 erwarb United Distillers (später Diageo) 95 Prozent der Anteile an Industrias Pampero. Heute gehört die Marke zu Gruppo Montenegro und wird weiterhin in Venezuela produziert, mit Hauptmärkten in Spanien, Italien und Venezuela selbst.
Melasse, Kolonnenstille und weiße Eiche — die Produktionslogik hinter Pampero
Die Basis aller Pampero-Rums ist Zuckerrohrmelasse, die in mehreren Destillationsstufen auf Kolonnenstillsanlagen verarbeitet wird. Der so gewonnene Rohbrand reift anschließend in Fässern aus weißer amerikanischer Eiche, die zuvor Bourbon oder Whisky enthielten — ein Verfahren, das dem Destillat Vanille, Kakao und tropische Fruchtaromen mitgibt. Das tropische Klima Venezuelas beschleunigt dabei die Wechselwirkung zwischen Brand und Holz spürbar. Maestro Ronero Luis Figueroa führt diese Tradition heute handwerklich fort; er war maßgeblich an der Entwicklung des Pampero Blanco sowie an der Erlangung der Denominación de Origen „Ron de Venezuela" beteiligt — der ersten kontrollierten Ursprungsbezeichnung weltweit für Rum auf Melassebasis.
Blanco, Especial, Aniversario — drei Charaktere aus den venezolanischen Llanos
Das Sortiment spannt einen klaren Bogen vom frischen bis zum gereiften Rum. Der Pampero Blanco ist der ungelagerte Einstieg — klar, leicht, ideal für Cocktails und karibische Longdrinks wie Mojito oder Cuba Libre. Der Añejo Especial lagert mindestens zwei Jahre in weißen Eichenfässern; im Glas zeigt er Aromen von Gewürzen, Holz und tropischer Frucht, am Gaumen mittlere Struktur mit einem persistenten Abgang. Pur bei Zimmertemperatur oder leicht gekühlt, als Begleitung zu dunkler Schokolade oder einem Zigarillo. Das Flaggschiff ist der Aniversario Reserva Exclusiva, 1963 zum 25-jährigen Jubiläum der Destillerie kreiert: eine Cuvée aus Rums mit vier bis sechs Jahren Fassreife in Ex-Bourbon- und Ex-Whisky-Fässern. Das Aromenprofil reicht von Butterscotch und Kakao über Kaffeenoten bis zu schwarzer Walnuss — ein vollmundiger, cremiger Rum, der sich pur oder auf einem großen Eiswürfel am besten entfaltet. Erkennungsmerkmal ist das handgenähte Lederetui, in dem die Flasche ausgeliefert wird.