Von der Metzgerlehre zur Bottega Storica: sieben Jahrzehnte Familie Simonetto
Mario Simonetto wuchs als Sohn veneto-stämmiger Mezzadri auf, die nach dem Zweiten Weltkrieg ins Trentiner Valsugana gezogen waren. Nach ersten Lehrjahren als Metzgergehilfe in verschiedenen Betrieben der Region eröffnete er 1953 seinen ersten eigenen Laden — mit dem nötigen Kapital, das seine Mutter Giovina in Trient auftrieb. 1959 folgte die Niederlassung am Viale Venezia 20 in Castelnuovo, dem heutigen Stammsitz. Die Jahrzehnte der sechziger und siebziger Jahre brachten stetiges Wachstum: Zur Fleischtheke kam zunächst ein Produktionslabor für typische Trentiner Salumi und Wurstwaren, später ein Kochbetrieb für Gastronomie- und Fertiggerichte. 2002 wurde ein zusätzlicher Reiferaum für Rohwaren in Betrieb genommen, 2011 neue Sektionierungsräume für die Großhandelsbelieferung von Metzgereien und Delikatessen im Triveneto. 2014 würdigte die Provinz Trient das Geschäft offiziell als Bottega Storica Trentina — eine Auszeichnung für besondere historisch-kulturelle Bedeutung im regionalen Handwerk.
Heute führen bereits die dritte Generation rund um Stefano, Manuela und deren Sohn Andrea sowie Davide den Betrieb. Dass ein kleines Metzgereigeschäft aus der Bassa Valsugana inzwischen Kunden von Irland bis Malta, von Schweden bis zu den Balearen beliefert, wäre für den Gründer kaum vorstellbar gewesen — und zeigt doch nur, wie konsequent die Familie seine Idee weiterentwickelt hat.
Handwerk unter den Dolomiten: Rohstoffe, Rezepte, kein Kompromiss
Der Produktionsalltag im Labor unterhalb der Lagorai-Gruppe folgt einem klaren Prinzip: langsame Zubereitung, sorgfältig ausgesuchte Zutaten, Handarbeit. Frisches Gemüse und ausgewählte Fleischqualitäten werden von Hand verarbeitet, die Rezepturen ohne Konservierungsstoffe oder Zusatzstoffe abgefüllt. Die Haltbarkeit der Produkte entsteht nicht durch Chemie, sondern durch das Abfüllverfahren selbst — ein technischer Schritt, der handwerkliche Sorgfalt und moderne Lebensmittelsicherheit verbindet. Hinter der Rohstoffauswahl steht jahrzehntelange Erfahrung der Familie in der Fleischbeurteilung: Diese Kompetenz aus dem Metzgerhandwerk ist heute das Fundament der gesamten Saucenproduktion.
2018 fasste die dritte Generation dieses Wissen erstmals in einem eigenständigen Markenkonzept zusammen. Alpe Magna — der Name verweist auf die Forcella Magna im Lagorai-Gebirge — bündelt traditionelle Trentiner und italienische Rezepturen in Gläsern, die auch über weite Distanzen ausgeliefert werden können, ohne an Charakter zu verlieren.
Vier Produktlinien zwischen Alpenküche und italianischer Klassik
Das Sortiment von Alpe Magna gliedert sich in vier Linien. Purezze versammelt Ragù aus einer einzigen Fleisch- oder Fischsorte: Hase, Wildschwein, Ente, Gams, Reh, Sardinen vom Gardasee. Armonie kombiniert mehrere Zutaten zu neuen Geschmacksbildern — etwa Speck mit Pfifferlingen, Löwenzahn mit Guanciale und Balsamico oder Saibling mit Kapern. Die beiden weiteren Linien Memorie Alpine und Memorie Italiane interpretieren Klassiker aus dem Trentiner Bergalltag und aus der gesamtitalienischen Küche, darunter das Ragù storico bolognese. Was alle Linien verbindet: keine industrielle Abkürzung, keine Fertigwürzen, ein Tempo, das dem Schmorgericht im eigenen Topf entspricht — nur dass die Arbeit bereits in Castelnuovo getan wurde.