Von der Landwirtschaftsfamilie zur größten Cantina Liguriens
Der Name Lunae verweist auf ein jahrtausendealtes Erbe: Portus Lunae, die römische Kolonie, die 177 v. Chr. an der Mündung des Magra gegründet wurde, prägte diese Küstenecke zwischen Ligurien und der Toskana lange bevor hier Wein in Flaschen gefüllt wurde. Schon Plinius der Ältere lobte in seiner Naturalis Historia die Weine aus Luni als die wertvollsten Etruriens. Auf diesem Boden, nur einen Kilometer von den Ausgrabungsstätten Lunis entfernt, begann 1966 Paolo Bosoni, das Familienerbe neu auszurichten: Er übernahm die landwirtschaftlichen Flächen seiner Vorfahren und verwandelte einen Mischbetrieb konsequent in ein reines Weingut.
Heute führt die Familie das Weingut in der nächsten Generation weiter. Paulos Sohn Diego, ausgebildeter Önologe, verantwortet Keller und Weinbau; Tochter Debora leitet das Besucherzentrum mit Verkostungsräumen und dem Weinmuseum, das Paolo Bosoni über drei Jahrzehnte aufgebaut hat. Mit rund 85 Hektar Rebfläche verteilt auf Ortonovo, Castelnuovo Magra und die Ebene um die Ruinen Lunis ist Cantine Lunae heute das flächenmäßig größte Weingut Liguriens.
Kleinteilige Parzellen, mediteranes Kleinklima, kein Herbizid
Die Weinberge liegen im äußersten Osten Liguriens, im Colli di Luni DOC, wo das Apuanische Gebirge die Hänge vor Kälteeinbrüchen schützt und der Golf von La Spezia tagsüber Meeresbrisen ins Rebland schickt. Dieses Wechselspiel aus Berg- und Seewind erzeugt ausgeprägte Tagestemperaturschwankungen, die Aromatik und Säurestruktur der Weine direkt beeinflussen. Die Böden variieren stark: lehmig-tonreich in den flacheren Lagen, mineralreicher und durchlässiger in den Hügellagen. Daraus entstehen Weinbergseinheiten von selten mehr als zwei bis drei Hektar — klein genug, um jeden Parzellentypus separat vinifizieren zu können.
Der Betrieb arbeitet ohne Herbizide und hat sich der biologischen Bewirtschaftung verschrieben. Hinzu kommt das Projekt Terra Viva Lunae: Rund 20 Hektar, die von über 100 lokalen Kleinwinzern unter technischer Begleitung des Weinguts bewirtschaftet werden, um die regionalen Rebsorten und Traditionen des Colli di Luni lebendig zu halten. Im Keller lautet die Leitlinie, die Diego Bosoni klar formuliert hat: Qualität entsteht im Weinberg und wird im Keller bewahrt — nicht erzwungen.
Vermentino als Kompass — und ein Sortiment, das darüber hinausgeht
Vermentino ist die Leitrebsorte des Hauses und steht in mehreren Linien im Mittelpunkt des Sortiments. Der Etichetta Grigia Colli di Luni Vermentino DOC — 100 % Vermentino, stahlvergoren und drei Monate auf der Feinhefe gereift — zeigt, was diese Rebsorte auf dem Kalkstein-Lehm-Boden des Colli di Luni leistet: reife Birne und Zitrus in der Nase, eine cremige Mitte und dann mineralische Strenge im Abgang, die den Wein komplex hält, ohne ihn schwerfällig zu machen. Der Labianca Liguria di Levante Bianco IGT erweitert die Palette mit autochthonen Sorten wie Albarola und Vermentino Nero — Rebsorten, die Lunae gezielt bewahrt und ausbaut, weil sie das Terroir der Lunigiana auf eine Weise abbilden, die internationale Sorten nicht können.
Neben den Weißweinen produziert das Weingut Rotweine aus Sangiovese, Ciliegiolo, Canaiolo und Merlot sowie einen klassisch-methodischen Schaumwein aus Vermentino und Albarola. Die Weine des Hauses verbinden mediterrane Wärme mit der Salzigkeit, die die Meeresluft ins Glas trägt — ein Stilprofil, das sich vom aromenstarken Vermentino Sardiniens klar abgrenzt und auf Textur und Spannung setzt statt auf Volumen.