Vom mittelalterlichen Abgabeprinzip zum toskanischen Qualitätskonsortium
Der Name ist Programm: Laudemio bezeichnete im Mittelalter jenen Teil der Ernte, der dem Lehnsherrn vorbehalten war – die besten Früchte, die auf keinen anderen Tisch kamen. Dieses Wort, abgeleitet vom lateinischen laude (Lob, Vortrefflichkeit), gab einem der bedeutendsten Qualitätsprojekte der toskanischen Olivenölgeschichte seinen Namen. 1988 gründete Vittorio Frescobaldi das Laudemio-Konsortium gemeinsam mit einer Gruppe von Produzenten aus dem Hügelland der Zentraltoskana – zu einem Zeitpunkt, als es in Italien noch keine geschützten Ursprungsbezeichnungen für Olivenöl gab und das Produkt weitgehend als Massenware gehandelt wurde. Das Konsortium war damit seiner Zeit voraus: Die erste italienische DOP für Olivenöl folgte erst 1996, die IGP Toscano erst 1998.
Hinter Laudemio steht die Familie Marchesi de' Frescobaldi, die seit über 700 Jahren Landwirtschaft in der Toskana betreibt und deren Engagement in der Öl- und Weinproduktion bis ins Mittelalter zurückreicht. Es war ihre Erfahrung im Weinbau – das Denken in Terroir, Lage und handwerklicher Sorgfalt – die sie auf den Olivenanbau übertrugen und damit einen neuen Standard setzten.
Strenge Regeln für alle: das Konsortium als kollektiver Qualitätspakt
Das Laudemio-Konsortium ist kein reines Marketinginstrument, sondern ein verbindlicher Produktionspakt. Mitglied kann nur werden, wer die Olivenhaine ausschließlich im definierten Gebiet der Zentraltoskana bewirtschaftet, die Lagen nach Boden, Sorte und Anbaumethode im Konsortiumsregister einträgt und den gesamten Produktionszyklus – von der Ernte bis zur Abfüllung – nach festgelegten Regeln nachweist. Die Ernte muss spätestens Ende November abgeschlossen sein, damit keine überreifen Früchte verarbeitet werden. Gepresst wird ausschließlich durch Kaltextraktion und innerhalb enger Zeitfenster nach der Lese. Beim Frescobaldi-Laudemio geschieht dies in der hauseigenen Ölmühle.
Abgefüllt wird das Öl in die charakteristische achteckige Glasflasche, deren Schnittfacetten an das Design französischer Parfümflakons erinnern – das Modell ist vom Konsortium patentiert. Vor der Abfüllung durchläuft jedes Los zwei Verkostungskommissionen und eine interne Selektion; was die Prüfung nicht besteht, darf das Laudemio-Siegel nicht tragen. Die Lagerung bis zur Abfüllung erfolgt in kleinen Edelstahltanks unter Inertgasatmosphäre, um Oxidation zu verhindern.
Frantoio, Moraiolo, Leccino – und der unverkennbare toskanische Abgang
Das Frescobaldi-Laudemio ist eine Cuvée aus den drei klassischen toskanischen Cultivars: Frantoio, Moraiolo und Leccino. Die Olivenhaine liegen im Hügelland rund um Florenz auf Lagen zwischen 200 und 500 Metern – ein Höhenprofil, das kühlere Temperaturen, gut durchlüftete Böden und eine langsamere Fruchtreife begünstigt. Im Glas zeigt das Öl eine leuchtend grüne Farbe. Die Nase ist von frisch gepresster Olive, gemähtem Gras und Artischocke geprägt. Am Gaumen folgt eine ausgewogene Bitterkeit mit runder Frucht, bevor ein markant pfeffriger Abgang einsetzt – das sogenannte Pizzicore, das Kribbeln im Rachen, das Kenner als Zeichen für intakte Polyphenole und frische Pressung werten.
Laudemio Frescobaldi ist ein reines Finishinöl: über gegrilltes Rind, weißen Bohnen, Ribollita oder Bruschetta – nicht zum Erhitzen. Dunkel und kühl gelagert, geöffnet innerhalb von etwa vier Monaten aufgebraucht.