Aus Batea in die Welt: eine Vermouth-Marke mit Haltung
La Madre kommt aus Batea, einem kleinen Ort im Herzen der Terra Alta — jener kargen, windgepeitschten Weinlandschaft südwestlich von Tarragona, die kaum jemand auf der Landkarte findet, bis sie einem im Glas begegnet. Hinter der Marke steckt ein familiäres, kleines Unternehmen, das Vermouth nicht erbt, sondern neu erfindet. Der Anstoß war eine schlichte Beobachtung: Bei Besuchen in etablierten Bodegas stießen die Gründer überall auf dasselbe Muster — seit Generationen dieselbe Rezeptur, ausschließlich Roter Vermouth, kein Interesse an Rosé, Dry oder Reserve. La Madre entschied sich für den Gegenentwurf.
Der Name ist Programm: La Madre — die Mutter — bezeichnet im Haus sowohl die Marke als auch den Kern der Herstellung, die aromatische Grundessenz, aus der jede Flasche entsteht. Diese Verknüpfung von Name, Philosophie und Handwerk ist kein Zufall, sondern das zentrale Identitätsmerkmal der Marke.
Amphore, Kastanienholz, Eiche: das Handwerk hinter der Essenz
La Madre arbeitet mit 32 sorgfältig ausgewählten Botanicals, von denen 22 aus der Region selbst stammen — darunter Artemisia, Lavendel und Rosmarin, die der Terra Alta eigen sind. Die Mazeration der Kräuter und Gewürze findet in Tonamphoren statt, einem Verfahren, das langsame Extraktion und Temperaturkonstanz begünstigt. Aus diesem Prozess entsteht La Esencia, die Mutterlösung, die anschließend für einige Monate in Holzfässern ruht, bevor sie mit sorgfältig selektierten Weinen aus der Region — White Grenache und Macabeo — assembliert wird.
Beim Premium, der Reserva-Linie, geht die Herstellung einen Schritt weiter: 35 Tage Mazeration in Keramikamphoren, sechs Monate Ausbau in Kastanienholzfässern und abschließend vier weitere Monate Ruhe in Eichenfässern. Das Ergebnis ist eine deutlich dichtere Struktur mit balsamischen Kräuternoten und gut eingebundener Holzwürze — kein schnell gedrehtes Produkt.
Rojo, Blanco, Dry, Rosé, Premium: eine Kollektion ohne Scheuklappen
Was La Madre im Markt von vielen traditionellen Häusern unterscheidet, ist die Bandbreite des Sortiments. Während anderswo der rote Vermouth das gesamte Programm dominiert, umfasst das Angebot aus Batea fünf eigenständige Stile. Der Rojo zeigt Zitrusschale, schwarze Frucht und Zimtnoten, mit einem Cardamom-Bitter im Abgang. Der Blanco arbeitet mit grünem Apfel und einer frischen Lakritznote, der Dry setzt auf herb-trockene Strenge. Der Rosé ist fruchtbetonter und aromatisch zugänglicher — gedacht auch für ein Publikum, das Vermouth bislang eher gemieden hat. Und der Premium richtet sich an alle, die Vermouth als ernsthaftes Glas verstehen: komplex, weinbetont, mit langem Abgang. Serviert werden alle Varianten kalt, mit Eis und Orangenschale — oder als Basis für klassische Aperitif-Cocktails.