Vom Turmbachhof in die Welt: Alfons Walchers Erbe in neunter Generation
Der Turmbachhof in Eppan, südlich von Bozen, gehört der Familie Walcher seit neun Generationen. Das Anwesen, um 1190 erbaut, war lange ein Landwirtschaftsbetrieb, auf dem Wein, Obst und hausgemachter Essig zum Alltag gehörten. Den entscheidenden Schritt in Richtung Brennkunst vollzog Alfons Walcher 1966: Er destillierte am Turmbachhof die erste Grappa-Flasche — aus einer Leidenschaft für das, was unmittelbar vor seiner Haustür wächst. Der Betrieb wuchs kontinuierlich, und 2003 baute Alfons Walcher gemeinsam mit seinen Söhnen eine moderne Produktionsanlage in Eppan. Heute leiten Theodor und Matthias Walcher die Gutsbrennerei in neunter Generation: Theodor verantwortet Destillation und Produktentwicklung, Matthias die Unternehmensführung und Nachhaltigkeit.
Bio-Rohstoffe, Computerpräzision und eine gepflegte Essigmutter
Die Lage der Brennerei im größten zusammenhängenden Obstanbaugebiet Südtirols ist kein Zufall. Mit rund 280 Sonnentagen im Jahr und vergleichsweise kühlen Nächten reift das Obst langsam und aromenreich — Bedingungen, die direkt ins Glas wirken. Seit 2010 ist der Betrieb bio-zertifiziert; verarbeitet werden ausschließlich ausgewählte Rohstoffe aus Südtirol und Norditalien, ohne Zusatzstoffe. Den besten Trester liefern regionale Kellereien; Obst wurde ursprünglich vollständig im Eigengut angebaut, heute ergänzen sorgfältig ausgewählte Zukäufe aus der Region das eigene Angebot.
Bei der Destillationstechnik geht Walcher seit Jahrzehnten eigene Wege: 1993 war die Gutsbrennerei die erste Brennerei Südtirols, die computergestützte Steuerung in der Destillation einsetzte — der Mensch als Kontrollinstanz bleibt dabei unverzichtbar. Parallel zur Brennerei betreibt die Familie seit 2017 die Genussmanufaktur in Kaltern, in der Essige und Delikatessen nach traditioneller Methode entstehen — darunter Balsamico-Essig, gepflegt mit einer Essigmutter in Porphyrstein, die die Familie seit Generationen hütet.
Grappa, Fruchtbrand, Likör und Essig: ein Sortiment mit regionaler Handschrift
Den Anfang machte die Grappa — heute umfasst das Sortiment Fruchtbrände, Kräuterliköre, Gin aus Alpenbotanicals, holzfassgereifte Spirituosen sowie die Bio-Linie Biostilla. Rebsortentypische Grappas wie ein Gewürztraminer oder ein St. Magdalener Barrique zeigen, wie eng Brennerei und Südtiroler Weinkultur zusammenhängen: Frischer Trester direkt aus den Kellereien der Region, aromaschonend verarbeitet, ergibt Destillate mit klarer regionaler Prägung. Mittlerweile verlassen über eine Million Flaschen pro Jahr den Turmbachhof — in fünf Kontinente. Alfons Walcher, Gründungsmitglied des Südtiroler Grappaproduzentenvereins und langjähriger Obmann der Kellerei St. Michael/Eppan, hat damit eine Marke geprägt, die weit über die Alpen hinaus als Maßstab für Südtiroler Destillationskunst gilt.