Von Southwark nach Schottland: 250 Jahre Gordon's London Dry Gin
London 1769: Der Ginmarkt boomt, aber er ist überschwemmt mit minderwertigen, oft gesüßten Spirituosen. In diese Lücke stößt Alexander Gordon, ein Londoner schottischer Abstammung, mit einem klaren Ziel. Er gründet seine Destillerie im Stadtbezirk Southwark — bewusst dort, weil die Wasserqualität der Gegend für die Reinheit des Destillats entscheidend ist. Sein Ansatz unterscheidet sich von Anfang an: keine Zuckerzusätze, stattdessen handverlesene Botanicals und konsequente Dreifachdestillation. Das Ergebnis ist ein trockener, juniperzentrierter Gin, der eine eigene Kategorie begründet — den London Dry Gin, wie er heute noch definiert wird. 1786 zieht die Destillerie nach Clerkenwell um, Charles Gordon führt das Unternehmen ab 1823 weiter und absolviert zuvor eine siebenjährige Ausbildung, wie es Alexander ausdrücklich verlangt hatte. 1898 fusioniert Gordon & Co. mit Charles Tanqueray & Co. zur Tanqueray Gordon & Co., 1922 übernimmt The Distillers Company das Haus. Heute gehört Gordon's zum britischen Konzern Diageo und wird seit 1998 in der Cameronbridge Distillery in Fife, Schottland, produziert.
Dreifach destilliert, seit über 250 Jahren geheim: die Herstellungsphilosophie
Das Rezept von 1769 ist bis heute nahezu unverändert — und bis heute kennen es dem Vernehmen nach nur eine Handvoll Menschen vollständig. Bekannt sind die Kerningredienzen: Wacholderbeeren, Koriandersamen, Angelikawurzel, Süßholz, Orriswurzel sowie Orangen- und Zitronenschale. Darüber hinaus gelten Ingwer, Muskat und Kassiaöl als Teil der Rezeptur, ohne je offiziell bestätigt worden zu sein. Bemerkenswert ist der Umgang mit dem Hauptbotanical: Die Wacholderbeeren werden vor der Verarbeitung zwei Jahre gelagert, damit sich ihre ätherischen Öle konzentrieren und das Aromaprofil an Tiefe gewinnt. Die Botanicals werden gemeinsam mit dem Neutralalkohol dreifach destilliert; dabei werden Vor- und Nachlauf sorgfältig abgetrennt, das sogenannte Herzstück des Destillats liefert den eigentlichen Gordon's-Charakter. Dieses Verfahren produziert einen strukturell klaren Gin ohne Süßungsmittel oder Farbstoffe — die Kategoriebeschreibung „London Dry" hat Gordon's damit früher als die meisten anderen Marken verdient.
Juniperstark und cocktailtauglich: das Sortiment im Überblick
Der Gordon's London Dry Gin ist juniper-betont und trocken: Wacholder und Zitrusschale dominieren die Nase, am Gaumen folgen Korianderwürze und erdige Wurzelaromen, der Abgang ist kurz und sauber. Mit 37,5 % Vol. ist er auf den europäischen Markt ausgelegt und eignet sich sowohl pur auf Eis als auch — klassischerweise — als Basis des Gin & Tonic. Seine Struktur macht ihn zur verlässlichen Mixing-Spirituose: Der ausgeprägte Wacholdercharakter setzt sich in Martini, Gin & Tonic und Citrus-Cocktails klar durch, ohne von anderen Zutaten überdeckt zu werden. Neben dem London Dry umfasst das Portfolio heute weitere Ausdrücke: Gordon's Sloe Gin hat seine Wurzeln bereits im Jahr 1906, als die Marke die erste kommerziell produzierte Schlehenversion auf den britischen Markt brachte. Neuere Varianten wie der Premium Pink — basierend auf einer Rezeptur aus dem 19. Jahrhundert, ergänzt um Himbeere, Erdbeere und rote Johannisbeere — sowie Sicilian Lemon und Mediterranean Orange erweitern das Sortiment für Trinkanlässe jenseits des klassischen G&T. Das ikonische grüne Vierkantglas, das Gordon's für den britischen Heimatmarkt 1904 einführte, ist bis heute das bekannteste Erkennungszeichen der Marke.