Von Schultz'ens Siedlerhof zur Glina Destillerie
Michael Schultz ist von Haus aus Obstbauer und gelernter Gärtnermeister. Auf dem Familienbetrieb in Glindow, einem Ortsteil von Werder an der Havel, baute er Obst und Gemüse an und kelterte Obstweine — so wie es in dieser obstreichen Havellandschaft seit Generationen Tradition ist. Die Wende kam Anfang der 1990er Jahre, als Schultz auf einer Reise nach Süddeutschland das Handwerk des Destillierens kennenlernte und sich spontan dafür begeisterte. Er absolvierte eine Aus- und Weiterbildung zum Destillateur in Göppingen und Esslingen und machte die Brennkunst zum Kern des familiären Geschäfts. 1991 wurde der Betrieb offiziell gegründet. Der Name Glina leitet sich vom Ortsnamen Glindow ab, dessen Geschichte bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht. Das Logo — ein Bauer mit der Sense, der erste Siedler — steht seither als Symbol für handwerkliche Verwurzelung im Ort.
Farm-Destillerie: alles aus einer Hand, vom Feld bis zur Flasche
Glina versteht sich ausdrücklich als Farm-Destillerie: Sämtliche Produktionsschritte vom Anbau des Getreides und Obstes bis zur Abfüllung liegen in einer Hand. Michael Schultz kontrolliert jeden Schritt selbst — das ist kein Marketing-Versprechen, sondern das erklärte Geschäftsprinzip. Für die Obstweine setzt das Team bewusst auf alte Sorten wie die Gräfin von Paris oder die Große schwarze Knorpelkirsche, weil gerade diese den charakteristischen Geschmack tragen. Sobald das Obst geerntet ist, beginnt unmittelbar die Verarbeitung.
Für die Whisky-Reifung greift Schultz auf ein durchdachtes Fasssystem zurück: Neue Holzfässer stammen aus der Böttchermeisterei Messerschmidt im brandenburgischen Neu Zittau; ergänzt werden sie durch gebrauchte Fässer ausgesuchter Bordeaux- und Burgund-Weingüter sowie durch Portwein- und Sherryfässer aus Portugal und Spanien. Besonders charakteristisch ist der zweistufige Einsatz der Fässer — zunächst reifen die Obstweine darin, danach übernimmt der Whisky denselben Behälter und nimmt die verbliebenen Aromen auf. Die Destillerie selbst ist als Schauwerkstatt konzipiert und für Besucher nach Rücksprache zugänglich.
Obstweine, Whisky, Gin — Werder in der Flasche
Das Sortiment spiegelt die doppelte DNA des Betriebs wider: bodenständiger Obstanbau trifft auf ambitioniertes Destillationshandwerk. Bei den Obstweinen steht die jeweilige Frucht klar im Mittelpunkt — Erdbeere, Johannisbeere, Himbeere, Holunder, Rhabarber, Aprikose, Birne, Kirsche. Jede Sorte wird sortenrein vergoren, nicht aromatisiert. Werder an der Havel ist seit Generationen eine der bekanntesten Obstbauregionen Norddeutschlands, und genau dieses Terroir schmeckt man in den Weinen. Der Whisky — darunter Abfüllungen mit Glühweinfass-Finish oder Reifung im Knupperkirschwein-Fass — zeigt, wie konsequent Schultz die regionalen Rohstoffe auch in die Destillate überträgt. Gin und Obstbrände runden das Programm ab. Alle Produkte werden direkt ab Hof, über den eigenen Onlineshop sowie im Lebensmitteleinzelhandel der Region vertrieben.