Fünf Freunde, ein Tal und der Mut zum Neuanfang
Glendalough — auf Irisch Gleann Dá Loch, „Tal der zwei Seen" — liegt in einer glazial geformten Senke der Wicklow Mountains, etwa eine Stunde südlich von Dublin. Genau hier gründeten 2011 fünf Freunde aus Dublin und Wicklow eine der ersten irischen Craft-Destillerien der Neuzeit. Ihr Vorbild: der heilige Kevin, ein Mönch des 6. Jahrhunderts, der Wohlstand und Sicherheit aufgab, um in diesem Tal etwas Beständiges zu schaffen. Die Gründer zogen eine ähnliche Konsequenz — sie verließen ihre Bürojobs in der Stadt und setzten alles auf das Handwerk. 2016 kauften sie eine Holstein-Brennanlage aus Deutschland und begannen mit der eigenen Destillation vor Ort. In der Zwischenzeit hatten sie zugekauften Destillatspiritits aus der Cooley Distillery durch eigene Fassreife und Assemblage in ihre Sprache übersetzt — ein handwerklicher Umweg, der ihnen früh half, ihren Stil zu definieren.
Natur als Rohstoff: Foraging, Saisonalität und Handarbeit
Das Wasser stammt aus den Wicklow Mountains — dieselbe Quelle, die auch Guinness nutzt. Für die Gins geht Forager Geraldine Kavanagh täglich in den umliegenden Wald und auf die Wiesen, um Botanicals frisch und nachhaltig zu ernten: Holunderblüten, Sauerampfer, Wasserminze, Heidekraut, Schlehbeeren, Waldäpfel. Head Distiller Ciaran „Rowdy" Rooney verarbeitet die Botanicals direkt im frischen Zustand — ohne Trocknung, was die flüchtigen Aromen erhält, die bei anderen Destillaten verloren gehen. Die Saisonalen Gins erscheinen in Batches von maximal 3.000 Flaschen pro Jahreszeit; jeder Batch spiegelt das, was die irische Natur gerade hergibt. Der Anspruch dabei ist klar: Kein Botanical soll mehr als zehn Meilen von der Destillerie entfernt wachsen. Neben Gin produziert Glendalough auch Poitín — den traditionellen irischen Destillat-Urtyp aus Gerste, Kartoffeln und Quellwasser, dreifach gebrannt im Kupferkessel.
Whiskey mit Weltformat: Fass-Experimente aus dem Herzen Irlands
Im Whiskey-Bereich hat Glendalough mehrere Weltpremieren für sich verbucht: irischer Single Malt in japanischen Mizunara-Eichenfässern aus Hokkaido, irischer Single Malt in Fässern aus einheimischer Wicklow-Eiche. Auf jedem Etikett findet sich nicht nur die Fassnummer, sondern auch die Nummer des gefällten Baums — ein Transparenz-Anspruch, der über das Übliche weit hinausgeht. Das Sortiment reicht vom klassischen Single Grain Double Barrel über einen Pot Still Irish Whiskey bis zu aufwendigen Single-Cask-Finishes in Calvados- und Madeira-Fässern. Die Fassauswahl — Ex-Bourbon, Oloroso-Sherry, Mizunara, irische Eiche, Calvados, Madeira — zeigt, wie konsequent das Team die Grenzen der irischen Whiskeykultur auslotet, ohne den Bezug zur Herkunft zu verlieren. Wer Spirituosen sucht, die einen konkreten Ort und ein handwerkliches Selbstverständnis in die Flasche bringen, ist bei Glendalough richtig.