Von der staatlichen Kellerei zum Aushängeschild Rumäniens
Die Geschichte des Weinguts beginnt weit vor seiner Neugründung: Urkundlich belegt ist der Weinbau in Recaș seit 1447 — ein Notariatsdokument aus jenem Jahr, das heute im Banat-Museum verwahrt wird, bestätigt die erste offizielle Erwähnung der Güter. Über Jahrhunderte wechselten die Lagen ihren Besitzer, wurden von Deutschen, Serben, Österreichern und Ungarn bewirtschaftet, bevor die kommunistische Verstaatlichung 1948 einen Bruch markierte. 1998 übernahmen drei Familien das heruntergekommene Staatsgut: Der aus Bristol stammende Philip Cox und seine rumänische Frau Elvira Cox sowie das Kellerteam um den australischen Önologen Hartley Smithers und die spanische Weinmacherin Nora Iriate. Was sie vorfanden, waren 650 Hektar verwilderter Reben und eine verrostete Anlage. Was sie daraus machten, ist eine der bemerkenswertesten Weingeschichten Europas.
Kalkstein, Solarstrom und ein Kellerteam mit fünf Kontinenten Erfahrung
Die Weinberge liegen im äußersten Westen Rumäniens, in der Region Banat, rund 25 Kilometer von Timișoara entfernt — dort, wo die Pannonische Tiefebene auf die Ausläufer der Karpaten trifft. Der Untergrund besteht aus Kalkstein mit tiefroten Terra-Rossa-Böden, das Klima ist kontinental mit heißen, trockenen Sommern und kalten Wintern. Diese Bedingungen begünstigen ausdrucksstarke, strukturierte Weine. Alle Weinberge wurden nach 1999 neu bepflanzt oder grundlegend saniert — ein jahrelanges Gemeinschaftsprojekt des Recaș-Teams. Bewirtschaftet wird nachhaltig: ohne Herbizide, mit minimiertem Chemikalieneinsatz, und ein Teil der Flächen befindet sich in der Umstellung auf vollständigen Bioanbau. Im Keller steht temperaturgesteuerte Edelstahltechnik für schonende Vergärung, dazu eine Abwasseraufbereitungsanlage, die seit 2010 in Betrieb ist und Kellereiabwasser wiederverwendbar macht. Rund 2.000 Solarmodule decken heute die Hälfte des Strombedarfs des Betriebs.
Das Kellerteam um Hartley Smithers und Nora Iriate bringt zusammen mehr als 50 Ernten aus den Weinregionen dieser Welt mit. Ihr Anspruch: die natürliche Qualität jeder Ernte vollständig ins Glas zu überführen — jahrgangsübergreifend und auf jedem Preissegment.
Fetească Neagră, Orange Wine und das Potenzial rumänischer Rebsorten
Das Sortiment von Cramele Recaș spannt den Bogen von internationalen Sorten wie Pinot Noir, Sauvignon Blanc und Chardonnay bis zu den autochthonen Rebsorten Rumäniens, die zunehmend im Mittelpunkt stehen. Die Fetească Regală — eine der wichtigsten weißen Landesorten — zeigt in der Paparuda-Linie ihr florales, lebendiges Profil. Die Fetească Neagră, Rumäniens bedeutendste rote Ursorte, liefert im Selene-Cuvée dunkle Frucht mit würziger Tiefe. Und mit dem Solara Orange Wine produziert Recaș einen der meistverkauften Naturweine Osteuropas: ein Weißwein, der auf der Maische vergoren wird und dadurch Gerbstoffstruktur, getrocknete Frucht und Oxidationsnoten entwickelt, die weit über das hinausgehen, was konventioneller Weißwein zeigt. Für den rumänischen Markt wie für 28 Exportmärkte weltweit gilt dasselbe Prinzip: Weine, die ihren Preis weit übererfüllen — mit klar ablesbarem Herkunftscharakter.