Von Napoleon bis Jarnac: 200 Jahre Maison Courvoisier
Die Geschichte der Maison Courvoisier beginnt zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als Emmanuel Courvoisier und Louis Gallois in der Pariser Weinhandelsgegend Bercy eine Wein- und Spirituosenhandlung gründeten. Ihre Söhne Félix und Jules verlegten das Unternehmen 1828 in die Charente — nach Jarnac, direkt am Ufer des Flusses, ins Herz der Cognac-Region. Dort ließ Félix Courvoisier 1857 die repräsentative Maison errichten, die bis heute der Sitz des Hauses ist. Den entscheidenden Ruf erwarb Courvoisier durch die Verbindung mit Napoleon Bonaparte: Der Legende nach nahm der Kaiser bei seinem Exil auf St. Helena 1815 mehrere Fässer Courvoisier mit — die englischen Offiziere an Bord tauften ihn daraufhin „Le Cognac de Napoléon". 1869 machte Napoleon III. die Verbindung offiziell und verlieh dem Haus den Titel Fournisseur Officiel de la Maison de l'Empereur. Nach dem Tod von Félix Courvoisier übernahmen seine Neffen, die Brüder Curlier, die Führung, bevor die englische Kaufmannsfamilie Simon das Haus 1909 übernahm und seine Bekanntheit auf den britischen Markt und weitere europäische Königshöfe ausdehnte.
Heute gehört Courvoisier zur Campari Group und zählt zu den vier größten Cognaчhäusern der Welt. Als einziges Haus überhaupt wurde Courvoisier zweimal mit der französischen Prestige Gold Medal ausgezeichnet — 1983 und 2021.
Assemblage als Handwerk: Wie Courvoisier seinen Cognac baut
Courvoisier besitzt keine eigenen Weinberge, sondern arbeitet mit einem Netzwerk von mehr als 1.000 Winzerfamilien und Brennern innerhalb der Cognac-AOC zusammen. Diese Entscheidung ist Programm: Sie gibt dem Chefblender die Freiheit, jahrgangsweise die besten Eaux-de-vie aus den vier Schlüssel-Crus auszuwählen — Grande Champagne, Petite Champagne, Borderies und Fins Bois. Die Grande Champagne liefert Eleganz und florale Tiefe, die Borderies ihren seltenen Veilchenton und eine seidene Textur, die Fins Bois Fruchtfülle und Zugänglichkeit. Destilliert wird traditionell auf der Hefe (sur lies), was den Eaux-de-vie mehr Körper und Mundfülle gibt. Die Reifung erfolgt in französischen Eichenfässern aus den Wäldern von Limousin und Tronçais in feuchten Kellern — die Luftfeuchtigkeit verlangsamt die Oxidation und fördert die Aromaentwicklung.
Die Kontinuität des Haustils liegt beim Chefblender. Auf sechs Generationen folgte 2022 Thibaut Hontanx als siebter Chefblender der Maison — er bringt Erfahrung aus Destillerien von Südafrika bis Martinique mit und arbeitete eng mit seinem Vorgänger Patrice Pinet zusammen, bevor er die Verantwortung übernahm. Das Weitergeben von Wissen zwischen den Blenders ist in Jarnac Tradition, keine Ausnahme.
Fruchtig, fein, vielschichtig: der Stil von Courvoisier im Glas
Was Courvoisier im Sortiment zusammenhält, ist ein klar erkennbarer Hausstil: fruchtig und blumig im Auftakt, mit einer Struktur, die aus der Kombination mehrerer Crus kommt, statt aus einem einzelnen Terroir. Der VSOP — das Herzstück des Angebots — vereint Eaux-de-vie aus Fins Bois und Petite Champagne, die zwischen acht und zwölf Jahren in Eiche gereift sind. Im Glas zeigt er Aromen von reifen Steinfrüchten, getrockneter Aprikose und Vanille, getragen von einer warmen, weichen Textur. Pur bei Zimmertemperatur kommt das Aromenbild am klarsten, mit einem Spritzer stilles Wasser öffnet sich der Abgang. Wer einen klassischen Sidecar oder einen Cognac Highball ansetzen möchte, findet im VSOP eine verlässliche Basis mit genug Eigencharakter, um im Cocktail nicht zu verschwinden. Das Sortiment reicht vom zugänglichen VS über den VSOP bis zu XO und limitierten Sonderabfüllungen — darunter ein Finish in japanischen Mizunara-Eichenfässern, das dem Haus in jüngerer Zeit Aufmerksamkeit jenseits der klassischen Cognac-Trinker gebracht hat.