Vom Zuckerrohrfeld am Vulkan zur Weltmarke: die Geschichte der Pellas-Familie
Die Wurzeln der Compañía Licorera de Nicaragua reichen bis ins Jahr 1890 zurück, als der aus Genua stammende Francisco Alfredo Pellas Canessa am Fuß des Vulkans San Cristóbal in Chichigalpa, rund 120 Kilometer von Managua entfernt, ein agro-industrielles Gut mit Destillerie gründete. Zunächst wurde der Rum vor allem intern gefeiert — als Ernteschnaps für die Belegschaft des Zuckerrohrguts San Antonio. Erst 1937 brachte die Familie Pellas den Rum erstmals kommerziell unter dem Namen Flor de Caña auf den Markt, was auf Deutsch so viel bedeutet wie „Zuckerrohrblüte". Seit jenen Anfängen führt die Familie das Unternehmen über fünf Generationen in Folge, heute unter der Leitung von Carlos Pellas Chamorro.
In den 1950er-Jahren begann die Brennerei, ihren Rum systematisch in Weißeichenfässern zu reifen — ein Schritt, der Flor de Caña von der regionalen Konkurrenz abhob. Ab 1959 wurden erste Exporte nach Venezuela, Costa Rica und weitere zentralamerikanische Länder aufgenommen; wenige Jahrzehnte später war die Marke auf dem Weltmarkt präsent. Die politischen Wirren der 1970er- und 1980er-Jahre in Nicaragua führten paradoxerweise dazu, dass große Mengen lang gereifter Rum auf Lager blieben — ein unfreiwillig aufgebauter Schatz, der die Qualitätsposition der Marke später stärkte.
Destillerie, Handwerk und eine Haltung, die länger trägt als Marketingversprechen
Die Destillerie in Chichigalpa liegt nur acht Kilometer vom Krater des San Cristóbal entfernt, dem aktivsten und höchsten Vulkan Nicaraguas. Die vulkanischen Böden rund um die Anlage sind mineralreich; das Grundwasser, das die Fermentation speist, wird durch unterirdische Gesteinsschichten gefiltert. Flor de Caña ist ein Single-Estate-Rum: Rohstoffgewinnung, Vergärung, Destillation, Fassreifung und Abfüllung finden ausschließlich auf dem eigenen Gelände statt. Die Reifung erfolgt in Ex-Bourbon-Fässern aus Weißeiche, die in den originalen Lagerhäusern ohne Klimaanlage und ohne künstliche Belüftung stehen — die tropischen Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit Nicaraguas übernehmen die Arbeit.
2018 erhielt Flor de Caña die Fair-Trade-Zertifizierung durch Fair Trade USA, die die Einhaltung von über 300 Arbeits-, Sozial- und Umweltstandards entlang der gesamten Lieferkette bestätigt. 2020 folgte die Carbonneutral-Zertifizierung durch den Carbon Trust (UK) — als weltweit erste Spirituose, die beide Siegel gleichzeitig trägt. Die Energie für die Destillation stammt zu 100 % aus erneuerbaren Quellen auf Biomasse-Basis; alle CO₂-Emissionen, die während der Fermentation entstehen, werden aufgefangen und recycelt. Seit 2005 pflanzt die Marke jährlich 50.000 Bäume — inzwischen wurden mehr als eine Million Bäume gesetzt. Das soziale Engagement geht weit in die Unternehmensgeschichte zurück: Bereits 1913 gründete die Familie eine eigene Schule für Mitarbeiterkinder, 1958 kam ein firmeneigenes Krankenhaus hinzu.
Reifung in der Hitze des Vulkans: was Flor de Caña im Glas ausmacht
Das Sortiment bei Vinoscout umfasst drei gereifte Ausdrücke. Der Flor de Caña 12 Years Old zeigt nach zwölf Jahren Fasslagerung ein Profil aus Vanille, Karamell und getrockneten Früchten bei weicher, runder Struktur — ein zugänglicher Einstieg in die Nicaragua-Reifung, pur oder auf Eis. Der Flor de Caña Terra 15 Years Old legt mit fünfzehn Jahren Reifezeit eine dichtere, würzigere Schicht aus Holzgewürzen und dunklem Trockenobst nach; er eignet sich als Digestif oder in einem klassischen Old Fashioned. Der Flor de Caña Centenario Gold 18 Years Old markiert die Spitze des Hauses: Achtzehn Jahre in der Wärme Nicaraguas ergeben einen Rum mit ausgeprägter Eichen- und Dattelkomplexität, langem Abgang und jener Tiefe, die man sonst eher in langen Whisky-Fassreifungen findet. Pur, bei Raumtemperatur — ohne Eis.