Vom Familienweingut zum Lalande-de-Pomerol-Projekt der Mingots
Die Familie Mingot bewirtschaftet seit Generationen ihr Stammgut Château Maréchaux in Savignac-de-l'Isle, gut sieben Kilometer nördlich der Pomerol-Appellationen. Von dort aus baute Michel Mingot das Familienweingut auf, das heute unter dem Namen Vignobles Mingot firmiert. Sein Sohn Julien wuchs zwischen den Rebzeilen von Maréchaux auf, studierte in Bordeaux und La Rochelle und sammelte Erfahrungen bei Weinproduzenten in Spanien und Chile — bevor er die operative Leitung des Betriebs übernahm.
2012 ergab sich die Gelegenheit, das ehemalige Château Coudreau zu erwerben: ein kleines Gut mit rund zwei Hektar Rebfläche in der Appellation Lalande-de-Pomerol. Die Familie taufte es in Château la Pensée um — „die Pensée", der Gedanke, weil man lange über das Gut und seine Möglichkeiten nachgedacht hatte. 2015 erschien der erste Jahrgang unter diesem Namen.
Handarbeit im Weinberg, Beton und Barrique im Keller
Auf den rund zwei Hektar stehen ausschließlich Merlot-Reben, die heute etwa vierzig Jahre alt sind. Der Weinberg wird von Hand gelesen; eine konsequente Grünernte (vendange verte) sorgt dafür, dass die Trauben ihre Reife vollständig ausschöpfen können, bevor die Handlese stattfindet. Julien Mingot setzt im Keller auf Fermentation in Betontanks — ein Material, das Temperaturstabilität und eine feine Oxidation ohne den Einfluss von Holz bietet.
Den Ausbau verantwortet ein Barrique-Anteil von 20 % neuer Eiche, der dem Wein Struktur und eine dezente Würze verleiht, ohne die Frucht zu überdecken. Der Zugang zur Pomerol-Appellation liegt buchstäblich nur durch den kleinen Fluss Barbanne getrennt — ein geografisches Argument, das Mingot nicht zufällig wählt, wenn er Lalande-de-Pomerol als Chance beschreibt, neben den großen Namen der Gironde zu bestehen.
Merlot mit Tiefe: was du im Glas findest
Château la Pensée zeigt, was vierzig Jahre alte Merlot-Reben auf eisenreichen Kies-Lehmböden leisten können. In der Nase öffnet sich der Wein mit Himbeere, Erdbeere und dunklen Beeren, ergänzt durch Anklänge von gerösteten Nüssen, Gewürzen und Kaffee. Der Gaumen ist vollmundig, mit feinen Tanninen und einem anhaltenden, aromatischen Abgang — der samtige Schmelz, für den das rechte Bordeaux-Ufer bekannt ist, kommt hier klar zur Geltung. Empfehlung: Entrecôte, geschmorte Lammkeule, Wildgeflügel oder kräftiger Hartkäse. Trinktemperatur 17–18 °C.