Von der Mönchsklause zur Domaine der Familie Schenk
Der Name Château de Châtagneréaz erinnert an die Kastanienwälder, die einst weite Teile der Côte am Genfersee bedeckten. Die ältesten schriftlichen Belege für Reben auf dem Gut stammen aus dem Jahr 996, die ersten erhaltenen Mauern des Schlosses aus dem Jahr 1177. Kurz darauf ging der Besitz an die Abtei du Lac de Joux über, deren Mönche fast zwei Jahrhunderte lang unter dem Schutz der Familie de Grandson-La Sarraz Wein anbauten. Nach der Reformation verschwand die Abtei, das Gut fiel unter bernische Herrschaft, bis es Ende des 18. Jahrhunderts erneut den Besitzer wechselte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg suchten die damaligen Schlossherren einen Partner, um das Gebäude zu restaurieren – gefunden in Arnold Schenk, der über 25 Jahre in den Wiederaufbau investierte und schliesslich alleiniger Eigentümer wurde. Bis heute gehört das Château de Châtagneréaz zur Weinbaufamilie Schenk, die es als eigenständige Domaine im Herzen von Mont-sur-Rolle führt.
Lehmböden und Handlese: Arbeitsweise im Rebberg und Keller
Die Reben liegen an einer der bestexponierten Lagen der Côte, auf schweren, lehmig-tonigen Böden aus steinarmen Moränen – ein Untergrund, der dem Chasselas Struktur und Frucht verleiht. Die Anlagen stehen in enger Reihe und hoher Dichte, geerntet wird von Hand.
Im Keller reifen die Weine in grossen Holzfudern, den traditionellen vases de bois der Waadtländer Winzer. Die Decke des historischen Gewölbekellers trägt Namen, Initialen und Jahreszahlen, die Küfer und Winzer über Generationen mit der Kerzenflamme eingebrannt haben – ein Ritual, das die Verbundenheit mit dem Ort sichtbar macht. Die Domaine hat in den vergangenen Jahren zudem den Weg in Richtung biologischer Bewirtschaftung eingeschlagen.
Chasselas als Aushängeschild: das Sortiment
Drei Weine bilden das Kernsortiment: ein Chasselas 1er Grand Cru, ein Viognier und eine rote Assemblage aus Gamay d'Arcenant, Gamaret und Garanoir. Der Chasselas trägt die Klassifikation 1er Grand Cru – die höchste Kategorie der Waadtländer Weine, eingeführt 2012 und nur wenigen Chasselas-Gewächsen der Region vorbehalten. Im Glas zeigt er sich blumig-mineralisch mit Noten von Lindenblüte und einem Hauch Zitrus, am Gaumen kraftvoll und dicht mit solider Struktur, die auch einige Jahre Lagerung erlaubt.
Der Viognier, erst in den 2000er-Jahren gepflanzt, wird ohne malolaktische Gärung ausgebaut, um Spannung und Aprikosenaromatik zu bewahren, und reift in Fässern der dritten und vierten Belegung. Die rote Assemblage präsentiert sich rubinrot mit violetten Reflexen, das Bouquet erinnert an rote Beeren und dunkle Kirschen, am Gaumen runde, weiche Tannine. Am besten schmeckt der Chasselas bei 10–12 °C zum Apéro, zu Fischgerichten aus dem Genfersee oder zu Gruyère und Vacherin Mont d'Or, während sich die rote Cuvée gut zu Schweinefleischgerichten macht.