Vom Massenverkauf zur eigenen Marke: über 100 Jahre Familiengeschichte
Casa Ermelinda Freitas wurzelt in Fernando Pó, einem kleinen Ort im Kreis Palmela auf der Halbinsel Setúbal, rund 40 Kilometer südlich von Lissabon. Gegründet 1920 von Deonilde Freitas, wurde das Weingut von Anfang an durch Frauen geführt — eine Konstante über alle fünf Generationen. Nach Deonilde übernahm Germana Freitas, dann Ermelinda, die Namensgeberin der heutigen Marke, die das Gut nach dem frühen Tod ihres Mannes Manuel João de Freitas allein weiterführte. Jahrzehntelang wurden die Weine ausschließlich als Fasswein ohne eigenes Etikett verkauft.
Den entscheidenden Wandel brachte Ermelindas Tochter Leonor Freitas: 1997 investierte die Familie in eine neue Kellerei und Abfüllanlage. Der erste Wein unter eigenem Label — der Rote „Terras do Pó" — markierte den Einstieg in die Flaschenweinproduktion und den Beginn einer internationalen Karriere, die Leonor Freitas in weniger als drei Jahrzehnten vom regionalen Massenlieferanten zur weltweit exportierenden Marke geführt hat.
550 Hektar, sandige Böden und die Briese der Flüsse
Das Herz des Weinguts sind 550 Hektar Weinberge in Fernando Pó — einer der größten zusammenhängenden Familienbetriebe auf der Halbinsel Setúbal. Die Böden ähneln feinem Strandsand und speichern Grundwasser, das die Reben selbst in trockenen Sommern versorgt. Die Flussbriesen von Tejo und Sado kühlen die Weinberge in der Hitze und bewahren die aromatische Frische der Trauben. Leonor Freitas übernahm ursprünglich 60 Hektar, bepflanzt fast ausschließlich mit Castelão und Fernão Pires; heute umfasst das Rebsortiment mehr als 30 Varietäten — rote Sorten wie Touriga Nacional, Trincadeira, Syrah, Aragonês und Alicante Bouschet kamen schrittweise hinzu.
Enólogo Jaime Quendera, ausgebildet an der Universität Évora und promoviert in Weinmarketing an der Katholischen Universität Porto, verbindet moderne Kellertechnik mit präziser Sortenkunde. Zusätzlich zu den Kernlagen in Setúbal ist das Haus in den Weinregionen Vinhos Verdes und Douro aktiv — was eine für Portugal ungewöhnliche Sortenbreite sichert und dem Keller kreative Spielräume gibt.
Castelão, Moscatel und mehr: was das Sortiment prägt
Rund 60 Prozent der Rebfläche sind mit Castelão bestockt — der roten Leitsorte der Halbinsel Setúbal, die auf den sandigen Böden von Fernando Pó zu besonderer Reife gelangt. Daneben entstehen Einzellagen- und Reserveweine aus Touriga Nacional, Syrah und Trincadeira, frische Weißweine aus Fernão Pires, Arinto und Verdelho sowie der traditionsreiche Moscatel de Setúbal, der als Likörwein die Sonnenstunden der Region in konzentrierter Süße bündelt. Mit Marken wie Dona Ermelinda, Terras do Pó, Vinha do Rosário und Quinta da Mimosa deckt das Haus eine breite Geschmacksspanne ab — vom alltagstauglichen Tafelwein bis zu preisgekrönten Reserveweinen.
Seit 1999 wurden über 900 Auszeichnungen bei nationalen und internationalen Wettbewerben gewonnen, darunter Medaillen beim Concours Mondial de Bruxelles und beim Mundus Vini. In mehr als 50 Länder exportiert, steht Casa Ermelinda Freitas für das, was die Halbinsel Setúbal weinbaulich zu bieten hat: Reife mit Frische, Charakter mit Zugänglichkeit.