Vom Familienland der Entdecker zum ältesten Madeira-Haus der Insel
Die Wurzeln von Casa dos Vinhos da Madeira reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück: Die Familie Henriques gehörte seit jener Zeit zu den größten Grundbesitzern rund um Câmara de Lobos — genau dort, wo der Legende nach die ersten Rebstöcke Madeiras gepflanzt wurden. Den formalen Unternehmensstart setzte 1850 João Gonçalves Henriques, der die Firma zunächst als sogenannter Partidista führte: Er belieferte andere Händler mit Wein aus den umfangreichen Familienbeständen, baute dabei aber gleichzeitig bedeutende Lagervorräte alter Jahrgänge auf. Nach seinem Tod 1912 übernahmen seine Söhne João Joaquim und Francisco Eduardo Henriques und gründeten die Partnerschaft, aus der der Name Henriques & Henriques hervorging.
1932 entstand daraus die Marke Casa dos Vinhos da Madeira — gegründet als eigenständige Gesellschaft, die das Erbe der Familie in gebündelter Form weiterführt. Zwischen 1937 und 1946 traten drei weitere Partner ein, darunter Peter Cossart, dessen Name bis heute mit dem Haus verbunden ist. 1992 folgte ein entscheidender Modernisierungsschritt: ein neues Reifekeller-Gebäude in Câmara de Lobos und ein eigenes Vinifikationszentrum im Ortsteil Quinta Grande, das die Produktion auf zeitgemäßem technischem Stand absichert, ohne die lange Familientradition loszulassen.
Eigene Weinberge, Canteiro-Reifung und volle Kontrolle vom Hang bis zur Flasche
Was Henriques & Henriques — und damit Casa dos Vinhos da Madeira — von den meisten anderen Madeira-Häusern unterscheidet: Das Unternehmen besitzt eigene Weinberge, eine Seltenheit auf der Insel, wo der Großteil der Trauben traditionell zugekauft wird. Das Hauptweingut in Quinta Grande liegt auf 600 bis 700 Metern Meereshöhe und umfasst rund 10 Hektar. Weitere Parzellen befinden sich in den Subregionen Estreito de Câmara de Lobos und São Vicente. Diese Kontrolle über den gesamten Produktionsweg — vom Weinberg über die Gärung bis zur Reifung — ist das Fundament des Qualitätsanspruchs.
Die Böden Madeiras sind vulkanischen Ursprungs, überwiegend basaltisch, arm an Kalium, reich an Eisen und Phosphor — diese Mineralstruktur trägt direkt zur prägnanten Säure bei, die alle Weine des Hauses kennzeichnet. Gereift wird nach dem traditionellen Canteiro-Verfahren: Die Fässer werden in den oberen, wärmeren Etagen des Lagerhauses eingelagert und über Jahre schrittweise nach unten bewegt, wo es kühler wird. Dieser langsame Temperaturwechsel ist der Kern der Madeira-Reifung — er erzeugt die charakteristische Oxidation und Konzentration, die keinem anderen Weintyp der Welt so eigen ist.
Sercial bis Malvasia: ein Sortiment, das die ganze Tiefe Madeiras zeigt
Das Sortiment spannt den Bogen von trockenen Stilen bis zu tiefgoldenen Süßweinen. Die vier klassischen weißen Rebsorten — Sercial, Verdelho, Bual und Malvasia (Malmsey) — bilden das Rückgrat: Sercial reift am kühlsten, bringt straffe Säure und nussige Herbe; Verdelho steht für mittlere Trockenheit mit Honignoten; Bual liefert cremige Fülle mit Trockenfruchtkomplexität; Malvasia ist der reichste, dunkelste Stil mit Karamell, Feige und einem langen, warm-süßen Abgang. Hinzu kommen Raritäten wie Tinta Negra und die fast vergessene Rebsorte Bastardo.
Das Angebot reicht von dreijährigen Einstiegsweinen über Reifestufen von 5, 10, 15, 20 und 50 Jahren bis zu Einzelernte-Abfüllungen (Single Harvest) und alten Datierungen aus dem Frasqueira-Bestand. Die Marke Casa dos Vinhos da Madeira führt dieses Spektrum in den Exportmärkten: Seit Jahrzehnten ist sie Marktführerin in der kanadischen Provinz Ontario und in British Columbia und wird außerdem in Belgien vertrieben. Flagman's Madeira ist der Einstieg in diese Welt — ein Wein, der die handwerkliche Kontinuität des Hauses greifbar macht, ohne auf den Tisch vorbereitet zu sein: pur als Aperitif, zu Salzkartoffeln mit Butter, zu reifen Hartkäsen oder als Begleiter zu dunkler Schokolade.