Von der Mischlandwirtschaft zur Leitadresse Carnuntums
Weingut Markowitsch in Göttlesbrunn schreibt Familiengeschichte, die weit zurückreicht: Seit mehr als 200 Jahren betreibt die Familie Markowitsch Weinbau im Carnuntum. Den entscheidenden Schnitt vollzog Gerhard Markowitsch, als er 1990 den elterlichen Betrieb übernahm – damals noch eine klassische gemischte Landwirtschaft mit Getreide, Zuckerrüben und ein paar Rebzeilen. Wein war Nebendarsteller. Gerhard machte ihn zur Hauptsache. In wenigen Jahren entwickelte er das Gut zu einem der bekanntesten Weingüter Österreichs; 1999 kürte ihn das Falstaff-Magazin zum Winzer des Jahres, ein Signal, das weit über Göttlesbrunn hinaus in die österreichische Weinwelt hallte. 2001 folgte der Bau eines der damals modernsten Weinkeller des Landes. Heute trägt das Weingut dazu bei, dass Carnuntum – einst Underdog unter Österreichs Weinregionen – als Herkunftsgebiet eigenständiger, charaktervoller Rotweine ernst genommen wird. Seit 2018 arbeitet Tochter Johanna aktiv im Betrieb mit und setzt dabei eigene Akzente, ohne den Grundcharakter des Hauses anzutasten.
Biologisch, lageorientiert, ohne Pumpen und Hektik
Das 65 Hektar große Weingut – verteilt auf die Orte Göttlesbrunn, Höflein und Prellenkirchen – ist bio-zertifiziert und Mitglied der Österreichischen Traditionsweingüter (ÖTW). Zwei der sechs bewirtschafteten Einzellagen, die Ried Rosenberg und der Ried Kirchweingarten, tragen das Siegel „1ÖTW" als klassifizierte Erste Lagen. Das Terroir ist geprägt von zwei Bergzügen: Im Raum Göttlesbrunn wirkt der alpine Einfluss des Leithabergs, im östlichen Teil jener des Spitzerbergs als Ausläufer der Karpaten. Angrenzende Waldflächen sorgen für kühle Nächte, was Frische und Komplexität in den Weinen begünstigt. Im Keller hat sich in den vergangenen Jahren ein klarer Kurs durchgesetzt: Spontangärung in großen Bottichen oder gebrauchten Barriques, sanftes Pressen, Verzicht auf Pumpen beim Bewegen des Weines. Handlese ist Standard. Gerhard und Johanna Markowitsch verstehen die seit 2019 gültige Carnuntum-DAC-Herkunftspyramide – mit Gebiets-, Orts- und Riedenweinen – als konsequentes Werkzeug, um das Profil jeder einzelnen Lage im Glas sichtbar zu machen.
Zweigelt als Rückgrat, Herkunft als Maßstab
Rund drei Viertel der Rebfläche sind mit roten Sorten bestockt. Zweigelt bildet das Rückgrat – auf lehmig-schottrigen Böden, ohne Bewässerung, zeigt er jene Tiefe, für die das Carnuntum bekannt ist. Blaufränkisch ergänzt auf kargen, kalkreichen Rieden, Chardonnay gedeiht in den kühleren Lagen nahe der Donauauen. In allen roten Cuvées spielt Zweigelt die prägende Rolle; er verbürgt regionale Identität statt internationalem Einerlei. Die Weine zeichnen sich durch feinen, dichten Körper ohne Schwere aus – das Zusammenspiel aus Frucht, Würze und Struktur ist das Markenzeichen des Hauses. Mit jeder Stufe der Herkunftspyramide steigen Komplexität und Tiefe: vom zugänglichen Rubin Carnuntum über den Ortswein Göttlesbrunn Rot bis zu den vielschichtigen Lagenweinen von Rosenberg und Kirchweingarten.