Vom Douro-Pionier zum größten Vinho-Verde-Erzeuger Portugals
1942, mitten im Zweiten Weltkrieg, gründete Fernando van Zeller Guedes zusammen mit 15 Mitstreitern die „Sociedade Comercial dos Vinhos de Mesa de Portugal" – den Vorläufer von Sogrape. Das Ziel war klar: portugiesische Weine auf dem Weltmarkt bekannt machen, zunächst durch den Export nach Brasilien, das wie Portugal aus dem Krieg herausgehalten blieb. Der erste große Wurf war der Mateus Rosé, produziert im Douro-Tal, der dem Unternehmen internationale Bekanntheit verschaffte. Heute, in der dritten Generation der Gründerfamilie Guedes, hat sich Sogrape zu einem der größten Weinproduzenten der Iberischen Halbinsel entwickelt – mit rund 1.600 Hektar Rebfläche in Portugal, Spanien, Chile, Argentinien und Neuseeland sowie Präsenz in über 120 Märkten weltweit.
Die Verbindung der Familie Guedes zur Vinho-Verde-Region ist tief verwurzelt: 1982 erwarb Sogrape die historische Quinta de Azevedo bei Barcelos – ein Anwesen, dessen Ursprünge bis ins 11. Jahrhundert zurückreichen. Das Herrenhaus und der Turm der Quinta wurden aufwändig restauriert. Seither ist das Gut mit 35 Hektar Rebfläche im Barcelos-Subgebiet das Herzstück der Sogrape-Aktivitäten im Vinho Verde.
Integrierter Weinbau, Kellerhandwerk und ein weltweit genutzter Hefestamm
Sogrape verfolgt einen integrierten Weinbau-Ansatz, der auf Biodiversitätsschutz, Wasserressourcenmanagement und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln natürlichen Ursprungs setzt. Das Unternehmen ist Partner des EU-Horizon-2020-Projekts NOVATERRA, das neue Pflanzenschutzstrategien mit Präzisionslandwirtschaft und integriertem Bodenmanagement verbindet. Photovoltaikanlagen auf den Betriebsstätten in Portugal und Argentinien haben seit ihrer Installation mehr als 730 Tonnen CO₂-Ausstoß vermieden. Die nationale Nachhaltigkeitszertifizierung des IVV (Instituto da Vinha e do Vinho) in Zusammenarbeit mit ViniPortugal hat Sogrape für alle portugiesischen Anbauregionen, in denen das Haus produziert, erhalten.
In der Quinta de Azevedo wurde das konventionelle Pergola-System zugunsten vertikaler Kordon-Erziehung aufgegeben – mehr Luftzirkulation im Laubbereich, gleichmäßigere Sonneneinstrahlung, gesünderes Traubenmaterial. Die Trauben werden nachts gelesen und anschließend bei kühlen Temperaturen in Edelstahltanks vergoren, um die natürliche Aromatik der Rebsorten zu erhalten. Nach der Gärung liegt der Wein rund drei Monate auf der Feinhefe. Bemerkenswert: In den Quinta-de-Azevedo-Weinbergen wurde der Hefestamm QA23 isoliert – heute einer der meistverwendeten Vergärungshefen weltweit, eingesetzt von Australien bis in die USA.
Aromatisch präzise Weißweine aus dem kühlen Nordwesten Portugals
Die Vinho-Verde-Region erstreckt sich zwischen Douro und Minho, Atlantik und Gebirge – ein kühles, atlantisch geprägtes Klima, neun Subregionen, Granit- und Schieferböden. Sogrape gilt als größter Produzent in dieser DOC. Die Quinta de Azevedo konzentriert sich auf die beiden aromatisch gegensätzlichen Leitrebsorten der Region: Loureiro und Pedernã (regional auch Arinto). Loureiro bringt florale Noten – Orangenblüte, Lindenblüte, Limette – und eine feine mineralische Linie. Pedernã steuert natürliche, knackige Säurestruktur bei und hält den Wein schlank und trinkfreudig. In jüngeren Produktionslinien ergänzt Alvarinho das Sortiment: kerniges Steinobst, mehr Körper, größere Komplexität. Ab dem Jahrgang 2022 werden die Spitzenweine der Quinta ausschließlich aus eigenem Lesegut vinifiziert – die „Escolha"- und „Grande Escolha"-Abfüllungen reifen teilweise in großen gebrauchten französischen Eichenfässern, um Textur zu gewinnen, ohne die Frucht zu überdecken. Gut gekühlt bei 8–10 °C serviert passen diese Weine zu gegrilltem Wolfsbarsch, Gambas à la plancha, Meeresfrüchtereisbrei oder einem leichten Ziegenkäse aus dem Minho.