Vom Kurort der Belle Époque zum globalen Tischgetränk
Die Geschichte von Sanpellegrino beginnt in einem engen Bergtal der Lombardei: San Pellegrino Terme, Provinz Bergamo, im Val Brembana. Die Quellen dort sind seit Jahrhunderten bekannt — erste schriftliche Erwähnungen reichen weit zurück, und 1782 legte eine wissenschaftliche Analyse die Mineralzusammensetzung des Wassers erstmals systematisch fest. Am 21. Mai 1899 wurde das Unternehmen offiziell als Società Anonima delle Terme di San Pellegrino gegründet, notiert an der Mailänder Börse. Im Gründungsjahr wurden 35.343 Flaschen abgefüllt — über 5.000 davon direkt nach Übersee verschifft.
Rund um die Jahrhundertwende avancierte San Pellegrino Terme zum mondänen Kurort für die europäische Aristokratie. Das Grand Hotel und das Casino im Stil des Art Nouveau, entworfen vom Mailänder Architekten Romolo Squadrelli, zogen Könige und Staatsmänner an. Dieses Prestige strahlte auf die Marke ab. 1957 übernahm Sanpellegrino den Mineralwasserhersteller Acqua Panna, 1970 war das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits der größte Getränkehersteller Italiens. Seit 1998 gehört Sanpellegrino zu Nestlé Waters, hat seinen Produktionssitz aber in San Pellegrino Terme behalten.
Quelle, Abfüllung und ein über 30-jähriger Weg durch den Fels
Das Wasser, das unter dem Namen S.Pellegrino in die smaragdgrüne Flasche gelangt, legt einen langen Weg zurück: Es sickert aus den Dolomitischen Alpen in etwa 1.200 bis 1.300 Metern Höhe in den Boden und braucht mindestens 30 Jahre, um durch das Gestein bis zur Quelle in San Pellegrino Terme zu gelangen. Auf dieser Strecke reichert es sich mit Mineralien an, die der feinen Perlage ihren charakteristischen, leicht salzigen Charakter verleihen. Die Kohlensäure wird dem natürlichen Mineralwasser beim Abfüllen zugegeben.
Das Sortiment hat Sanpellegrino seit den Gründerjahren konsequent erweitert. 1932 kam die Aranciata auf den Markt, die Limonata folgte. 1961 lancierte das Unternehmen unter dem Namen Bitter Sanpellegrino einen alkoholfreien Bitter-Aperitif, der 1985 in Sanbittèr umbenannt wurde. Die Rezeptur — eine Komposition aus Zitrusextrakten, Kräutern und Gewürzen — blieb seitdem weitgehend unverändert.
Mineralwasser, Bittersprudel und der Stil des italienischen Tisches
Was Sanpellegrino im Sortiment zusammenhält, ist ein klares Selbstverständnis als Tischgetränk: Das Mineralwasser mit seiner feinperligen Kohlensäure und der ausgewogenen Mineralisierung wird von Sommeliers klassisch zur Speisenbegleitung empfohlen, weil es Aromen weder überdeckt noch mit starker Eigenheit konkurriert. Der Sanbittèr Aperitivo hingegen füllt eine andere Rolle: rubinrot, mit bitterem Kräuter-Zitrus-Profil und ohne Alkohol, ist er in der italienischen Barkultur seit den 1960er Jahren als eigenständiger Aperitivo vor dem Essen etabliert — pur, eisgekühlt, direkt aus der kleinen Flasche oder als Basis für alkoholfreie Cocktails. Heute ist das Sortiment in mehr als 100 Ländern erhältlich.