Zwei Dynastien, eine Fusion: die Wurzeln des Hauses Rémy Cointreau
Hinter dem Namen Rémy Cointreau stehen zwei eigenständige Familiengeschichten, die weit ins 18. und 19. Jahrhundert zurückreichen. 1724 gründete Rémy Martin sein Haus für Cognac in der Charente-Region nördlich von Bordeaux – einem Landstrich, dessen Böden und Klima die Qualität seiner Eaux-de-Vie bis heute bestimmen. Gut ein Jahrhundert später, 1849, eröffneten die Brüder Edouard-Jean und Adolphe Cointreau ihre erste Destillerie im westfranzösischen Angers. Beide Linien blieben über Generationen in Familienhand: Die Hériard Dubreuil führten das Erbe von Rémy Martin, die Cointreaus ihre Likörmanufaktur. 1990 fusionierten die Holdinggesellschaften beider Familien zur Rémy Cointreau Gruppe – ein Zusammenschluss, der bis heute von Vertretern beider Dynastien im Aufsichtsrat begleitet wird.
Die Cointreau-Seite dieser Geschichte hat einen besonders präzisen Ursprung: Edouard, Sohn von Edouard-Jean, übernahm 1870 die Destillerie und entwickelte eine Rezeptur für einen Orangenlikör, der sich deutlich von den damals üblichen, süßlichen Curaçaos unterschied. Sein Ansatz – Schalen süßer und bitterer Orangen im ausgewogenen Verhältnis, mazeriert in Neutralalkohol und dann destilliert – blieb im Kern bis heute unverändert.
Terroir, Zeit und Handwerk: „The Sustainable Exception"
Das Leitbild von Rémy Cointreau lässt sich auf drei Begriffe verdichten: Terroir, Menschen und Zeit. Kein Lippenbekenntnis, sondern Grundlage jeder Produktentscheidung – vom Weinberg bis zur Abfüllung. Unter dem Strategieprogramm The Sustainable Exception hat die Gruppe 80 Millionen Euro über zehn Jahre in agroökologische Landwirtschaft, erneuerbare Energien an den Produktionsstätten und die Schulung der Belegschaft investiert. Für alle Partnerwinzer gilt das Ziel einer HVE-Zertifizierung (Haute Valeur Environnementale); Champagne Telmont, 2020 ins Portfolio aufgenommen, wirtschaftet bereits vollständig biologisch.
Das Programm ist hier keine externe Verpflichtung, sondern strukturelles Prinzip eines Familienunternehmens, das nach eigener Aussage „seit Jahrhunderten für das nächste Jahrhundert plant". Der Cointreau-Orangenlikör wird bis heute in Saint-Barthélemy-d'Anjou im Nordwesten Frankreichs aus ausschließlich natürlichen Zutaten hergestellt – nach einer Rezeptur, die seit der zweiten Generation der Familie unverändert geblieben ist und von einer Master Blenderin gehütet wird.
Cognac, Likör, Whisky: ein Portfolio um handwerkliche Tiefe
Rémy Cointreau versteht sich ausdrücklich nicht als Massenabfüller, sondern als Hüter ausgeprägter Herkunftsstile. Rémy Martin und die Prestige-Cuvée Louis XIII stehen für den klassischen Grande-Champagne-Cognac; Cointreau für den destillierten Orangenlikör im Triple-Sec-Stil mit 40 % vol., der aus süßen und bitteren Orangenschalen (Citrus sinensis und Citrus aurantium) aus Spanien, Haiti und Brasilien gewonnen wird. Dazu kommen Bruichladdich und Port Charlotte aus dem schottischen Islay, Westland aus Seattle, Hautes Glaces aus den Französischen Alpen sowie Mount Gay Rum aus Barbados – alle mit klar verortbarer Terroir-Identität. Champagne Telmont ergänzt das Portfolio auf der Schaumweinseite. Was diese Maisons verbindet: lange Reifezeiten, handwerkliche Kontrolle und eine Rohstoffauswahl, die konsequent an der Herkunft orientiert ist. Im Glas landet damit immer ein Ort und eine Methode – kein austauschbares Produkt.