Von der Familienidee zur Brandenburger Senfmanufaktur
Seit dem Jahr 2000 steht die Klosterfelder Senfmühle für handwerklich hergestellten Senf aus dem Barnimer Land. Was als Entschluss der Familie Trautmann begann, Senfmacher in Brandenburg zu werden, wuchs Schritt für Schritt zur kleinen Manufaktur heran: Wissen und Maschinenpark wurden kontinuierlich ausgebaut, bis die Produktion in eigene Firmenräume im Heimatdorf Klosterfelde, einem Ortsteil von Wandlitz nördlich von Berlin, einzog. Bemerkenswert dabei: Der Vater baute die Senfmühlen zum Schroten und Mahlen der Saat kurzerhand selbst. Aus dieser Haltung — pragmatisch, eigensinnig, auf den eigenen Geschmack vertrauend — lebt die Manufaktur bis heute.
Klosterfelde liegt am Rand des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin, inmitten einer Wald- und Seenlandschaft, die das Denken in Jahreszeiten und Regionalität nahezu erzwingt. Diese Lage ist kein Zufall, sondern Programm.
Kaltmahlung statt Industrietempo: das Handwerk dahinter
Der Klosterfelder Prozess folgt einer schlichten Logik: Je langsamer, desto aromenreicher. Die Senfsaat wird vor der Verarbeitung bewusst nicht entölt — so bleiben die natürlichen Inhaltsstoffe und ätherischen Öle der Saat erhalten. Anschließend werden die Körner gemeinsam mit Kräutern in der Steinmühle geschrotet. Die entstehende Maische ruht über Nacht und quillt, bevor sie kalt und langsam zwischen zwei Mahlsteinen zur fertigen Masse verarbeitet wird. Kein Hitzeeintrag, keine Abkürzungen.
Auf Zusatzstoffe, künstliche Aromen, Farbstoffe und Konservierungsstoffe wird vollständig verzichtet. Alle Produkte sind vegan. Für Zutaten wie Honig, Kürbis, Apfel, Birne und Pflaume greift die Manufaktur gezielt auf die direkte Umgebung zurück — der Honig für den Honigsenf etwa stammt vom Imker nebenan. Dreierlei Senfsaaten mit je eigener Schärfe und Bitteraromatik bilden die Basis; ihr Mischungsverhältnis variiert je nach Sorte.
Ein Sortiment zwischen Berliner Mostrich und feurigem Boris
Das Spektrum reicht von feiner bis grobkörniger Textur, von mild-fruchtig bis feurig-scharf. Klassiker wie der Boulettensenf Berliner Art — der unverzichtbare Begleiter zur Hauptstadtküche — oder der Omas Körniger Senf stehen neben charakterstarken Spezialitäten: Der Scharfe Boris setzt auf kompromisslose Schärfe, der Pflaumensenf bringt Frucht und Würze zusammen, der Knoblauchsenf arbeitet mit kräftigen aromatischen Kontrasten. Insgesamt umfasst das Sortiment rund 40 verschiedene Senfspezialitäten. Die Manufaktur vertreibt ihre Produkte über Märkte, Händler, den eigenen Hofladen in Klosterfelde und den Onlineshop — und arbeitet für neue Ideen gelegentlich mit anderen Manufakturen aus der Region zusammen.