Von der Krise zur Konsolidierung: Wie Irish Distillers den irischen Whiskey rettete
Die Wurzeln von Irish Distillers reichen bis ins Jahr 1825 zurück, als die Brüder James, Daniel und Jeremiah Murphy in Midleton, County Cork, eine Destillerie gründeten. Die Murphys waren Kaufleute mit weitreichenden Handelskontakten und einer klaren Ambition: Schon 1854 installierten sie im alten Midleton-Betrieb den damals größten Kupfer-Pot-Still der Welt — mit einem Fassungsvermögen von rund 143.000 Litern. Was folgte, war eine Blütezeit des irischen Whiskeys, die durch den Ersten Weltkrieg, die US-Prohibition und den Niedergang der Exportmärkte jäh unterbrochen wurde. Als Irish Whiskey Mitte des 20. Jahrhunderts in einer tiefen Strukturkrise steckte und Destillerie um Destillerie schloss, war ein radikaler Schritt nötig: 1966 fusionierten die drei verbliebenen Brennereien der Republik Irland — John Power & Son, John Jameson & Son und die Cork Distilleries Company — zur Irish Distillers Limited. 1975 zog die gesamte Produktion in eine neu errichtete, damals modernste Anlage direkt neben der alten Murphy-Destillerie um. 1988 übernahm Pernod Ricard das Unternehmen und brachte globales Vertriebsnetz und Investitionskapital mit — der Grundstein für die irische Whiskey-Renaissance.
Pot Still, Pot Still, Pot Still: Handwerk und Maßstab in Midleton
Die New Midleton Distillery vereint unter einem Dach, was anderswo kaum vorstellbar ist: Pot Stills für den klassischen Irish Single Pot Still und Column Stills für Grain Whiskey — zwei technisch und stilistisch völlig unterschiedliche Produktionslinien, die parallel betrieben werden. Der Single Pot Still gilt als die genuinste irische Whiskey-Stilistik: Für ihn wird eine Mischung aus gemälzter und ungemälzter Gerste in kupfernen Pot Stills gebrannt — dreifach destilliert nach irischer Tradition. Das Wasser stammt, wie seit 1825, aus dem Dungourney River, der durch das Gelände fließt. Mit einer Kapazität von mehreren Dutzend Millionen Litern pro Jahr ist Midleton die größte irische Whiskey-Destillerie des Landes, ohne dabei auf das Handwerk der Fassauswahl und der Reifung zu verzichten. Seit 2017 ergänzt die experimentelle Method & Madness Micro-Destillerie den Komplex — ein Labor für neue Stile und Reifungsexperimente. 2022 wurden weitere Großinvestitionen für eine zusätzliche Destillerie am Standort angekündigt, um die anhaltende Nachfrage zu bedienen.
Jameson, Redbreast und die Vielfalt eines Hauses
Aus Midleton kommen einige der bekanntesten irischen Whiskey-Marken: Jameson als meistverkaufter Irish Whiskey weltweit, die Spot-Range (Green, Yellow, Red, Blue Spot) als historische Bonded-Merchant-Abfüllungen sowie Midleton Very Rare — seit 1984 eine jährliche Prestige-Edition, die vom Master Distiller aus handverlesenen Fässern zusammengestellt und individuell nummeriert abgefüllt wird. Das Herzstück für Kenner ist jedoch Redbreast: der bekannteste Single Pot Still Whiskey des Hauses, gereift in Ex-Bourbon- und Sherry-Fässern, mit rundem Fruchtaromen, Gewürznoten und langem Abgang. Trinktemperatur: 18–20 °C, pur oder mit einem Tropfen Wasser. Wer irischen Whiskey jenseits des Blends kennenlernen möchte, findet in der Midleton-Range einen der vollständigsten Querschnitte durch den Stil und die Geschichte einer ganzen Whiskey-Nation.