Von Killaney nach County Down: Wie Dr. Terry Cross eine neue Destilliergeschichte schreibt
Gegründet wurde Hinch Distillery im Jahr 2016 von Dr. Terry Cross OBE, einem Unternehmer mit Wurzeln in Belfast. Den Namen trägt die Destillerie nach der nahe gelegenen Stadt Ballynahinch in County Down – Nordirland –, wo im 18. Jahrhundert eine der bekanntesten Schlachten zwischen britischen Truppen und den United Irishmen stattfand. Das Gelände selbst liegt auf dem historischen Killaney Estate, rund zehn Meilen südlich von Belfast, eingebettet in das hügelige Drumlin-Land unweit der Mourne Mountains. Die Anlage wurde von Beginn an mit lokalem Material und durch örtliche Handwerker errichtet. 2020 liefen die Stills erstmals an; seitdem brennt, reift und füllt Hinch seinen Whiskey vollständig in County Down ab.
Cross bringt noch eine weitere Dimension mit: Er besitzt ein Weingut im Bordelais, auf dem er seit über zwei Jahrzehnten Wein erzeugt. Diese Verbindung zur Weinwelt ist kein Zufall – sie hat von Anfang an die Fassstrategie von Hinch geprägt und eröffnet der Destillerie Möglichkeiten bei Cask-Finishes, die über das klassische irische Repertoire hinausgehen.
Wasser aus den Mournes, Korn aus der Region: Philosophie und Handwerk
Das Wasser für die Produktion kommt aus dem Silent Valley, gespeist von den Moorniederschlägen der Mourne Mountains – ein bewusst lokal verankerter Rohstoff. Das Getreide wird regional bezogen. Im Herzen der Anlage arbeiten drei Kupfer-Pot-Stills, die die Namen Donard, Croob und Wee Binnian tragen – drei Berge aus der unmittelbaren Umgebung. Dazu kommt ein separater Gin-Still. Die Brennlinie ist auf dreifache Destillation ausgerichtet, wie es der irischen Tradition entspricht.
Erster Master Distiller war Aaron Flaherty, der seine Ausbildung bei Diageo-Destillerien in Schottland und bei Bushmills absolviert hatte. Seit 2022 leitet William Stafford die Brennarbeit – zuvor tätig bei der Boatyard Distillery und der schottischen Destillerie Aultmore. Diese Kombination aus irischer und schottischer Erfahrung ist kein Zufall: County Down gilt traditionell als kulturelle Schnittmenge beider Inseln.
Triple-Distilled und Cask-fokussiert: das Sortiment von Hinch
Das Hinch-Sortiment umfasst Blended Irish Whiskeys, Single Malts, einen Peated Single Malt sowie limitierte Fassabfüllungen mit Finishes in Madeira-Weinfässern, Oloroso-Sherry und Ex-Bourbon-Casks. 2025 kamen mit dem Hinch Single Malt und dem Hinch Peated Single Malt erstmals Abfüllungen auf den Markt, die vollständig aus eigenem, in Killaney gebranntem und gereiftem Destillat bestehen – ein Meilenstein nach Jahren des Aufbaus, bei dem zugekauftes und am Standort veredeltes Destillat das Sortiment getragen hatte. Beide Erstabfüllungen stehen unter dem Leitgedanken People, Place and Progress. Beim 2025 San Francisco World Spirits Competition sicherte sich Hinch dafür eine Goldmedaille.
Neben Whiskey produziert Hinch unter dem Namen Ninth Wave auch Irish Gin – inspiriert von der keltischen Mythologie des Meeres. Wer bei Hinch kauft, bekommt Destillate, die ihren Standort ernst nehmen: Das Wasser aus den Mournes, die Bergsnamen auf den Stills und die Weinbau-Expertise des Gründers im Fassraum ergeben zusammen eine Handschrift, die sich deutlich von gesichtslosen Großabfüllungen unterscheidet.