Emil Underbergs Idee: ein polnischer Klassiker für den deutschen Markt
Grasovka ist eine Marke des deutschen Spirituosenhauses Underberg. Den Namen erfand Emil Underberg im Jahr 1976 — er wollte die polnische Żubrówka-Tradition für den deutschsprachigen Raum zugänglich machen und schuf damit eine eigenständige Marke, die sich auf Jahrhunderte alte Handwerkskunst stützt. Denn die Idee, Roggenvodka mit Büffelgras zu aromatisieren, reicht in Polen weit zurück: Schon im 17. Jahrhundert setzten Händler aus den Belowescher Wäldern dieses Destillat landesweit ab. Hergestellt wird Grasovka von der Brennerei Polmos Białystok, dem größten Vodka-Produzenten Polens — in Deutschland wird er anschließend abgefüllt. Diese deutsch-polnische Arbeitsteilung ist bis heute das Fundament der Marke.
Büffelgras aus dem Urwald: Rohstoff und Handwerk im Mittelpunkt
Die Getreidebasis besteht aus 88 Prozent Roggen, zehn Prozent Triticale und zwei Prozent Weizen — dazu kommt Wasser aus einem polnischen See. Das Getreide wird mehrfach destilliert und gefiltert. Parallel dazu trocknet das Büffelgras — botanisch Hierochloe odorata, auch duftendes Mariengras genannt — in gestutzten Bündeln und wird anschließend in Vodka mazeriert. Die so entstehende Essenzemischung wird nach einem geheimen Verhältnis mit dem Getreidedestillat verblendet. Das Ergebnis hat eine zart grünliche Färbung, die sich natürlich aus dem Gras ergibt und durch die einmalige Abschlussfiltration erhalten bleibt.
Das Büffelgras selbst wächst auf den Waldlichtungen des Nationalparks Białowieża, einem der letzten Urwälder Europas an der Grenze zwischen Polen und Weißrussland — demselben Schutzgebiet, in dem die europäischen Wisente wieder ausgewildert wurden, die dem Gras seinen Namen geben. Bei der Abfüllung in Deutschland wird in jede Flasche von Hand ein einzelner Grashalm gesteckt: sichtbares Zeichen der Herkunft und des Rohstoffs zugleich.
Waldmeister, Roggen und ein Hauch Gras: was im Glas passiert
In der Nase zeigt Grasovka das typische Cumarin-Profil des Büffelgrases: Waldmeister, ein leicht vanilliger Unterton, dazu die getreidige Basis des Roggens. Am Gaumen tritt die Würze in den Vordergrund, das Destillat bleibt dabei mild und rund. Mit 38 % vol. ist er etwas leichter als viele andere Vodkas — das macht ihn pur auf Eis trinkfreudig, ohne dass Aromen verloren gehen. Kalt serviert bei 4–6 °C entfaltet er seine feine Kräuterlinie am deutlichsten. Als Longdrink ist die Kombination mit frisch gepresstem Apfelsaft die wohl bekannteste Variante — die leicht süße Frucht arbeitet mit dem Waldmeister-Ton zusammen, ohne ihn zu überdecken. Wer es klassischer mag: ein Screwdriver mit gutem Orangensaft funktioniert ebenso. Stand 2019 war Grasovka der meistverkaufte aromatisierte Vodka und der meistverkaufte polnische Vodka in Deutschland — ein Marktbefund, der die Beständigkeit des Konzepts beschreibt.