Vom Obstgarten am Vulkanhang zur Weltnovität
Die Geschichte der Manufaktur Gölles beginnt Ende der 1950er-Jahre, als Alois Gölles senior auf dem sonnigen Südosthang bei Riegersburg in der Südoststeiermark mit dem Anbau von Apfelbäumen begann. Sein Sohn Alois junior wuchs in diesen Obstgärten auf, absolvierte die Ausbildung an der Höheren Bundeslehranstalt für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg und verarbeitete ab 1979 die Früchte des elterlichen Betriebs zunächst zu Fruchtwein und Saft, bald auch zu Edelbränden. 1986 erschöpften sich die Kontingente der bäuerlichen Abfindungsbrennerei — aus dem Hobby wurde ein Gewerbe, aus dem Hof eine Manufaktur. Die entscheidende Zäsur kam 1984: Inspiriert von Praktika in Modena und den dortigen Aceto-Balsamico-Traditionen, erzeugte Alois Gölles den ersten Apfel-Balsamessig der Welt — ein Balsamessig nicht aus Trauben, sondern aus Obst. Erst 15 Jahre später, 1999, wagten Mitbewerber ein ähnliches Produkt. Seit März 2025 führt David Gölles, der älteste Sohn von Alois Gölles, den Familienbetrieb in dritter Generation weiter.
Vollreife Frucht, kein Kompromiss — das Handwerk hinter jedem Tropfen
Das Fundament der Manufaktur ist radikal einfach: Nur das beste, reifste Obst kommt in den Kessel oder in den Essigkeller. Alte, im Handel kaum noch erhältliche Sorten spielen dabei eine zentrale Rolle — Maschansker-Äpfel, Saubirnen, Hirschbirnen, Hauszwetschken und Kriecherl liefern Aromen, die modernen Tafelobstsorten längst fehlen. Die Edelbrände entstehen nach dem traditionellen doppelten Brennverfahren in Kupferkesseln; die Essige reifen in alten Eichenfässern — Gölles betreibt heute einen der größten Essigfasskeller Österreichs, in dem über 1.500 Fässer lagern. Der Apfel-Balsam extra alt reift nach dem Vorbild der Modeneser Batteria-Methode durch eine Reihe von Fässern aus Eiche, Kastanie, Kirsche, Akazie und Esche — teils über zwanzig Jahre. 1990 öffnete Gölles den Betrieb als „Gläserne Manufaktur", 2015 folgte die heutige Erlebniswelt mit Shop, Brennerei-Besichtigung und dem größten Essigkeller Österreichs.
Zwanzig Brände, zwanzig Essige — ein Sortiment mit klarer Handschrift
Das Sortiment spiegelt die Vielfalt der steirischen Obstlandschaft: rund zwanzig Edelbrände — von klassischen Sorten wie Marille, Kirsche, Williams und Quitte bis zu fassgereiften Raritäten wie der Alten Zwetschke, die seit 1989 im Eichenfass reift — und ebenso viele Essige, vom klaren Fruchtessig bis zum jahrelang gereiften Apfel-Balsamessig als Flaggschiff des Hauses. Maßgeblich ist dabei stets die Rückverfolgbarkeit: Ein Teil des Obstes stammt aus den eigenen Gärten rund um Riegersburg, ergänzt durch regionale Lieferanten. Die fassgereiften Brände tragen bewusst eingedeutschte Namen — „Alter Apfel", „Alte Zwetschke" — eine Namensgebung, die Gölles ab 1987 als einziger Erzeuger prägte und die heute zum Markenzeichen der Manufaktur gehört. Wer die Essige in der Küche einsetzt, findet für Salate, Saucen, Käse und Desserts ebenso die richtige Flasche wie für den puren Genuss am Ende eines Menüs.