Familientradition seit 1835 — und ein Neubeginn in der Kapelle
Die Geschichte hinter Gin Mare beginnt nicht 2007, sondern fast zwei Jahrhunderte früher. Die Familie Giró Ribot produziert seit 1835 Liköre und Spirituosen in der katalanischen Weinregion Penedès, unweit von Barcelona. Den Gin betrat die Familie erstmals 1940, als Manuel Giró Senior den Gin MG auf den Markt brachte — bis heute einer der meistverkauften Gins Spaniens. Die vierte Generation, die Brüder Marc und Manuel Giró Junior, wollte das Erbe nicht einfach fortschreiben, sondern neu interpretieren. Ab 2007 entwickelten sie in der familieneigenen Destillerie einen Gin, der das Mittelmeer als Geschmackskonzept ernst nimmt — nicht als Kulisse, sondern als botanische Schatzkammer. Da die Brüder das Handwerk beherrschten, aber keinen Vertriebsarm hatten, gründeten sie eine paritätische Partnerschaft mit Global Premium Brands, die Marketing und Distribution übernahm. Seit September 2022 gehört Gin Mare zum Portfolio von Brown-Forman.
Eine Kapelle als Destillerie — und eine Methode, die keine Abkürzungen nimmt
Destilliert wird in Vilanova i la Geltrú, einem kleinen Fischerort an der Costa Daurada zwischen Costa Brava und Costa Dorada, rund 50 Kilometer südlich von Barcelona. Das Herzstück der Anlage ist eine ehemalige Kapelle aus dem 18. Jahrhundert — ursprünglich Zufluchtsort für Fischer, die vor dem Auslaufen beteten, später Bestandteil des Mönchsrückzugsorts, den die Giró-Familie in den 1950er-Jahren erwarb. In dieser Kapelle steht heute ein maßgefertigter Florentinischer Kolben-Alambic mit einem Fassungsvermögen von 250 Litern pro Charge.
Das Produktionsverfahren, das die Brüder den Mediterranen Methode nennen, ist konsequent aufwendig: Jede der neun Botanicals wird einzeln mazeriert und separat destilliert, bevor der Masterblender die gewonnenen Einzeldestillate zusammenführt. Die Zitrusfrüchte — Schalen von zwei Orangensorten aus Sevilla und Valencia sowie Zitronen aus Lleida — mazerieren bis zu einem Jahr in neutralem Gerstengeist, bevor sie in die Destillation gehen. Die Kräuter (Basilikum, Rosmarin, Thymian) ziehen rund 36 bis 48 Stunden. Für jede Charge werden aus den Arbequina-Oliven allein mehrere Kilogramm verarbeitet, weil der Ölgehalt dieser Sorte gering ist — der Aufwand ist bewusst kalkuliert, nicht rationalisierbar.
Kräutergarten, Salzigkeit und ein Gin, der mit Essen funktioniert
Die vier Leitbotanicals von Gin Mare erzählen eine mediterrane Herkunftsgeschichte: Basilikum kommt aus Italien, Rosmarin aus Griechenland, Thymian aus der Türkei, die Arbequina-Olive aus Katalonien — die einzige Olivensorte der Welt mit geschützter Herkunftsbezeichnung. Dazu kommen Wacholder, Koriander, grüner Kardamom und die spanischen Zitrusfrüchte. In der Nase öffnet Rosmarin, dahinter folgen schwarze Olive, Zitrusschale und ein Hauch Meeresluft. Am Gaumen führen Wacholder und Koriander, ehe Basilikum, Thymian und die charakteristische Salz-Umami-Linie der Olive übernehmen. Der Abgang ist lang, olivig-würzig mit einem Touch Thymian und Zitronenzeste. Trinktemperatur: gut gekühlt, 6–8 °C, im G&T mit mediterranem Tonic, Rosmarin-Zweig und Orangenzeste — oder als Basis für einen trockenen Martini mit einer Olive. Gin Mare Capri, zur Feier des zehnjährigen Jubiläums entwickelt, setzt auf Bergamotte und Zitrone aus Capri als zusätzliche Schichten auf dem aromatischen Grundgerüst.