Von der Tübinger Schulbank zur Burg Bartelstein
Paul Martin und Leonard Vinçon — im Alltag Paul und Leo — kennen sich seit Schultagen in Tübingen. Nach dem Studium zog es beide getrennt in die Welt: Teezeremonien in China und Japan, Gewürzmärkte in Lateinamerika, Genusskultur in europäischen Metropolen — jede Station schärfte den Blick für das, was ein alkoholfreies Getränk leisten könnte, aber noch nicht leistete. Zurück in Deutschland begannen sie zu experimentieren, und zwar ernsthaft: Durch die familieneigene Manufaktur konnten sie auf mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Getränkeproduktion zurückgreifen. Was folgte, waren nächtelange Testreihen, bis die erste Charge abgefüllt werden konnte — auf einer kleinen Burg im Süden Deutschlands, die dem Unternehmen bis heute seinen juristischen Namen gibt: Burg Bartelstein GbR, ansässig in Kiebingen bei Kusterdingen.
Dem Markennamen liegt eine Geschichte zugrunde, die beide Gründer als Leitbild verstehen: Ein Namensvetter namens Franz von Fein soll in den 1920er Jahren auf eben dieser Burg Gäste aus aller Welt empfangen haben — offen, neugierig, mit einem Händchen für farbenfrohe Tonika und Kräuterauszüge aus dem eigenen Garten. Diese Haltung — Gastfreundschaft, Weltoffenheit, sensorische Sorgfalt — ist das inhaltliche Fundament, auf dem Leo und Paul ihre Marke aufgebaut haben.
Kleine Chargen, konsequent natürliche Zutaten
Produziert wird in der eigenen Manufaktur in Kiebingen, wo jede Charge in Handarbeit entsteht. Grundlage sind Bio-Früchte, Kräuter und Gewürze ohne künstliche Aromen oder Farbstoffe. Die Zutaten werden mazeriert und sanft extrahiert, um die volle Aromatik zu erhalten — ein Verfahren, das aus der klassischen Kräuterlikör- und Bitterherstellung bekannt ist, hier aber konsequent ohne Alkohol als Lösungs- und Konservierungsmittel auskommt. Die bewusste Entscheidung für kleine Chargen ist kein Marketingargument, sondern eine handwerkliche Notwendigkeit: Mazeration und Extraktion lassen sich in großem Maßstab kaum mit gleicher Präzision steuern.
Leo und Paul verstehen Franz von Fein dabei nicht als isoliertes Produkt, sondern als Plattform für handwerkliche Genusskultur. Der Tasting Room im Münchner Westend, Schwanthalerstraße 141, ist Ausdruck dieser Philosophie: ein Ort, an dem alkoholfreier Genuss nicht als Verzicht, sondern als eigenständige sensorische Kategorie erlebbar wird.
Rubin, Bernstein und prickelnde Tee-Cuvées
Das Sortiment gliedert sich in zwei Aperitif-Linien und eine Sparkling-Tea-Serie. Rubin arbeitet mit Hibiskus, Bio-Zitronen und Wacholderbeeren — das ergibt eine fruchtig-herb-bittere Struktur mit roter Farbe und deutlicher Säurelinie. Bernstein setzt auf Bio-Orangen, Lavendel und Rosmarin: fruchtiger, floraler, mit wärmendem Kräuterabgang. Beide Aperitifs funktionieren pur auf Eis, als Basis für alkoholfreie Spritzvarianten oder als Baustein in anspruchsvolleren Mocktails. Die Sparkling Teas — Roségold Edition Cuvée Nº1 und Weißgold Edition Cuvée Nº2 — erweitern das Sortiment um prickelnde, teebasierte Alternativen für den festlichen Anlass. Alle Produkte tragen Bio-Zertifizierung; die World Alcohol Free Awards 2024 zeichneten Rubin und Bernstein mit Gold aus, das Falstaff Spirits Special 2024 vergab 93 Punkte.