Vom Zisterzienserkloster zur einzigen VDP-Domäne der Hessischen Bergstraße
Die Geschichte der Domäne Bergstraße beginnt nicht 1904, sondern viele Jahrhunderte früher: Kloster Eberbach, 1136 von Zisterziensermönchen aus Burgund im Rheingau gegründet, war bereits im 13. Jahrhundert an der Bergstraße begütert. Die französischen Mönche brachten nicht nur ihre Rebkultur mit, sondern auch das Handwerk, Lagen systematisch zu bewirtschaften und zu klassifizieren – ein Prinzip, das der VDP später für ganz Deutschland übernahm. Die Domäne in ihrer heutigen Form entstand 1904 auf Initiative der Großherzoglichen Verwaltung Hessen-Darmstadt, die den Heppenheimer Centgericht als Musterbetrieb auswählte und bewirtschaftete. 1946 wurde sie Teil der Hessischen Staatsweingüter Kloster Eberbach, die seither im Besitz des Landes Hessen sind und ihren Hauptsitz in Eltville am Rhein haben.
Weinbau im mildesten Winkel Hessens
Die Hessische Bergstraße ist mit rund 430 Hektar Anbaufläche eine der kleinsten Weinregionen Deutschlands – und klimatisch eine der begünstigsten. Eingebettet zwischen Rhein, Main und Neckar im Schutz des Odenwalds beginnt der Frühling hier früher und der Herbst endet später als in vielen anderen deutschen Anbaugebieten. Die Domäne Bergstraße bewirtschaftet 35 Hektar und ist damit das einzige VDP-Weingut in dieser Region.
Im Weinberg verzichtet die Domäne vollständig auf Insektizide, die biologische Schädlingsbekämpfung steht im Mittelpunkt. Als erste Domäne an der Bergstraße führte Kloster Eberbach Pheromonfallen flächendeckend ein – ein Ansatz, der heute als Maßstab für den regionalen Weinbau gilt. Für die Vinothek direkt im ehemaligen Rebmuttergarten inmitten des Centgerichts – also mitten in den Reben – zeigt sich, wie eng Produktion, Ort und Publikum hier zusammengedacht werden.
Burgundersorten auf Löss: der Stil der Crescentia-Linie
Die Domäne hat sich ganz auf die weißen Burgundersorten konzentriert: Grauburgunder und Weißburgunder sind die Hauptrebsorten, angebaut im Heppenheimer Centgericht – einer nach Südwesten ausgerichteten Lage mit tiefgründigen, warmen Lösslehmböden im unteren Bereich und einer Lössauflage im oberen Drittel. Der Name Centgericht verweist auf die historische Gerichtsstätte am Heppenheimer Landberg und gibt der Lage ihren unverwechselbaren Charakter. Als VDP.Erste Lage klassifiziert, stehen die Weine der Crescentia-Linie für lagentypische Präzision: Grauburgunder mit Kernobst, Nussaromen und feiner Mineralität, Weißburgunder mit klarer Säurestruktur, leichtem Schmelz und trockenem Abgang. Beide Weine spiegeln das milde, fast mediterrane Klima der Bergstraße wider – ohne dabei Frische oder Kontur einzubüßen.