Von Tunesien nach Bégadan: die Geschichte der Familie Lapalu
Die Wurzeln der Familie Lapalu liegen nicht im Médoc, sondern weit im Süden. Léon Lapalu, Bauer aus der Gegend zwischen Toulouse und Carcassonne, hatte um 1900 nahe Tunis ein landwirtschaftliches Anwesen aufgebaut, auf dem auch Reben wuchsen. Als politische Umwälzungen die Familie 1961 zur Rückkehr nach Frankreich zwangen, suchte Claude Lapalu rasch eine neue Heimat für sein Handwerk — und fand sie im nördlichen Médoc. 1964 erwarb er das Château Patache d'Aux in Bégadan, einen bereits seit 1932 als Cru Bourgeois klassifizierten Betrieb auf tonig-kalkigem Boden nahe der Gironde.
Sein Sohn Jean-Michel wuchs mit den Reben auf, studierte Önologie in Bordeaux — seine Professoren waren die Grands Seigneurs der Weinwissenschaft, Émile Peynaud und Pascal Ribéreau-Gayon — und schloss 1980 als Önologe ab. Noch im selben Jahr erwarb er das Château Lacombe Noaillac und pflanzten das brachliegende Weinberg vollständig neu. 1992 übernahm er die Leitung von Château Patache d'Aux, erweiterte das Portfolio 1995 um Château Liversan und Fonpiqueyre im Haut-Médoc und fügte 1995 das Château Leboscq hinzu, das zuvor den Prinzen von Polignac gehört hatte. 2001 fasste Jean-Michel Lapalu seine Güter unter dem Namen Domaines Lapalu et vignobles associés zusammen.
Mehrere Terroirs, ein gemeinsamer Maßstab
Das Herzstück aller Lapalu-Weinberge sind die typisch médocains Böden: ton-kalkige Untergründe mit Kieseleinschlüssen, die Wasser halten, ohne die Reben zu verwöhnen. In Bégadan, dem Stammsitz der Domaines im nördlichen Médoc, liegt der Betrieb inmitten eines Dorfes, das von der Gironde geprägt wird — das atlantische Klima mildert Spitzenwerte und sorgt für eine regelmäßige Reife. Jean-Michel Lapalu führt die Güter mit einem zentralen Weinkeller in Bégadan, der seit 1997 die logistische Basis für das gesamte Netzwerk bildet. So lässt sich an jedem Standort nach denselben önologischen Grundsätzen arbeiten, ohne dass ein Château seine eigene Identität verliert.
Beim Château Leboscq, dem Cru Bourgeois im Sortiment von Vinoscout, wachsen Cabernet Sauvignon, Merlot und ein kleiner Anteil Cabernet Franc auf ton-kalkigem Untergrund. Die Assemblage folgt dem klassisch médocainschen Muster: Struktur durch Cabernet, Fülle durch Merlot, Würze durch den Franc-Anteil. Der Ausbau erfolgt in französischen Eichenholzfässern, die dem Wein eine dezente Bois-Note mitgeben, ohne seine Frucht zu überlagern.
Weine mit médocainscher Knochenstruktur
Was alle Lapalu-Weine verbindet, ist die Weigerung, früh zu gefallen auf Kosten von Tiefe. Die roten Crus aus Bégadan zeigen im Glas dunkle Kirschen und rote Beeren, oft begleitet von einem Hauch Vanille und Gewürz aus dem Fasslager. Die Tannine sind präsent, aber seidig extrahiert — kein rohes Gerüst, sondern ein tragender Bogen, der dem Wein Länge gibt. Beim Château Leboscq tritt die Cabernet-Sauvignon-Prägung deutlich hervor: die Nase zeigt dunkle Früchte, ein leichter Boisé öffnet sich nach Belüftung, der Gaumen ist körperreich und endet mit einer festen, würzigen Finale. Serviertemperatur 16–18 °C. Am Tisch passt er zu Lammrücken mit Kräuterkruste, geschmorter Rinderbrust oder einem reifen Comté.