Von Volnay nach Arbois: eine Faszination wird zum Weingut
Guillaume d'Angerville ist in der Weinwelt als Hüter eines der großen Volnay-Domaines bekannt — des Domaine Marquis d'Angerville an der Côte de Beaune. Den Weg in den Jura fand er auf Umwegen: Bei einer Blindverkostung in Paris glaubte er, einen Burgunder im Glas zu haben — bis der Sommelier ihn über die jurassische Herkunft aufklärte. Die Neugier war geweckt, der Entschluss folgte rasch. Mit dem Geologen Yves Hérody suchte d'Angerville fünf Jahre lang nach geeigneten Lagen, bevor er die ersten Parzellen in Montigny-lès-Arsures nördlich von Arbois erwarb.
Das Domaine du Pélican entstand aus drei Akquisitionen: dem Château de Chavannes, dem Grand Curoulet — einem Hang mit den ältesten Mergeln des Jura aus der Triasperiode — sowie den Altrebenbeständen von Jacques Puffeney, der lange als „Pape d'Arbois" galt und froh war, in d'Angerville einen Nachfolger zu finden, der sein Lebenswerk fortsetzt. Puffeneys Parzellen — rund 5 Hektar — gingen 2018 offiziell in den Besitz des Domaine über. Den Namen trägt das Weingut nach dem Pelikan, dem Wappentier der Stadt Arbois. Heute steht Margot d'Angerville an der Seite ihres Vaters Guillaume und sichert damit die Weitergabe des Projekts in die nächste Generation.
Biodynamie, Marestöden und schonende Extraktion
Die 15 Hektar Reben verteilen sich auf Lagen mit sehr unterschiedlichen Expositionen — Süd, West, Ost — und auf Böden aus blauem, grünem und rotem Mergel, dem typischen Untergrund des Arbois. Bewirtschaftet wird der gesamte Betrieb biodynamisch: Kupfer- und Schwefelanwendungen, Hornmist- und Hornkieselpräparate sowie Kräutertees ersetzen synthetische Mittel, die Arbeit im Weinberg orientiert sich am Mondkalender. François Duvivier, der bereits beim Domaine Marquis d'Angerville als Régisseur tätig war, leitet den Keller und das Weinbergsteam mit derselben Philosophie, die er aus dem Burgund mitgebracht hat.
Im Keller setzt das Domaine auf minimale Eingriffe: Die Trauben werden von Hand gelesen, in kleinen Kisten transportiert, sorgfältig sortiert und vollständig entrappt, bevor sie ohne mechanische Behandlung in den Tank kommen. Die Gärung wird von natürlichen Hefen initiiert, nach einer kurzen vorfermentativen Mazeration. Sanfte Extraktionsmethoden sollen edle Tannine von groben trennen; anschließend reifen die Weine je nach Rebsorte 10 bis 18 Monate in Fässern und Foudres. Alle Weinbewegungen erfolgen ausschließlich über Schwerkraft.
Jurassische Rebsorten, burgundische Präzision
Das Sortiment spiegelt die volle Vielfalt des Jura wider: Auf rund 11 Hektar Weißweinreben stehen Savagnin und Chardonnay, auf 4 Hektar Rotweinreben Pinot Noir, Trousseau und Poulsard. Beim Savagnin arbeitet das Domaine sowohl mit der traditionellen Sous-voile-Methode — dem oxidativen Ausbau unter einer Hefeschicht im Fass, wie er für den Vin Jaune unverzichtbar ist — als auch mit dem sogenannten Ouillé-Stil, bei dem das Fass regelmäßig aufgefüllt wird, um Oxidation zu vermeiden. Das Ergebnis sind frischere, fruchtbetoniere Ausbauvarianten neben den klassisch würzigen, nussigen Weinen.
Die Rotweine zeigen, was der Jura bei konsequentem Handwerk leisten kann: Der Pinot Noir aus dem Clos Saint Laurent, direkt am neuen Kellereigebäude in Montigny-lès-Arsures gelegen, liefert Struktur und Tiefe; der Trousseau Béranger bringt die pfeffrig-würzige, tief rubinfarbene Eigenart dieser seltenen Rebsorte auf den Punkt. Wer sich für die Weine des Domaine du Pélican interessiert, bekommt keine globalisierten Stilweine — sondern Flaschen, die zeigen, warum der Jura zu den eigenwilligsten und aufregendsten Weinregionen Frankreichs gehört.